Das Hamburger Abendblatt zum Lufthansa-Streik

Mehr als 1.000 Flüge der Lufthansa werden heute ausfallen, rund 100.000 Passagiere müssen sich nach alternativen Transportmitteln umschauen. Der Streik bei Deutschlands Vorzeige-Fluggesellschaft erreicht seinen bisherigen Höhepunkt.

Ob es für das Unternehmen – und vor allem für die Kunden – noch schlimmer kommen wird, hängt vom Einigungswillen der Tarifparteien ab. Und dieser scheint nicht sehr ausgeprägt zu sein. Schaut man auf den Zwischenstand der äußerst zähen Tarifverhandlungen, so liegen Gewerkschaft und Konzernleitung zumindest bei den Einkommen nicht mehr weit auseinander. Die Beschäftigten wollen fünf Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von 15 Monaten, die Lufthansa bietet bereits 3,5 Prozent über 36 Monate.

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In diesem Punkt müsste unter professionellen Verhandlungspartnern innerhalb weniger Stunden ein Kompromiss möglich sein. Ganz anders sieht es beim Streitthema Leiharbeit aus. Sie lehnt die Gewerkschaft kategorisch ab. Die mit Verlusten kämpfende Lufthansa will dagegen mit billigen Arbeitskräften auf Abruf zumindest mittelfristig kräftig ihre Personalkosten drücken. Hier müssen sich beide Seiten aufeinander zubewegen.

Die Lufthansa hat bereits den Verzicht auf Leiharbeit für die Zeit des neuen Tarifvertrags angedeutet. Die Gewerkschaft hält aber an ihrem generellen Nein zu solchen Beschäftigungsverhältnissen fest. Es muss nun schnell ein Kompromiss gefunden werden, bei dem beide Seiten ihr Gesicht wahren. Denn auch darum geht es bei Tarifverhandlungen.

Konzernführung und Gewerkschaft sollten sich darüber klar werden, dass jeder während des Streiks enttäuschte Kunde nur schwer wieder für die Kranich-Linie zu begeistern sein wird. Es liegt nicht nur im Interesse der Passagiere, sondern auch der Beschäftigten der Lufthansa, dass dieser Arbeitskampf möglichst schnell ein Ende findet.

Vieles deutet darauf hin, dass die Tarifparteien ohne Hilfe eines Dritten nicht mehr zu einem Ergebnis kommen können. Deshalb sollte möglichst schnell die Schlichtung angerufen werden – und zwar ohne jede Vorbedingung.

Ein Kommentar von Oliver Schade.

Foto, Quelle & Web: abendblatt.de

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