Formfehler können die Gültigkeit eines handschriftlichen Testaments beeinträchtigen. Eine der wichtigsten formalen Anforderungen ist die eigenhändige Unterschrift unter dem letzten Willen.
Dies verdeutlicht ein Beschluss des Oberlandesgerichts (OLG) München vom 19. Mai 2026 (Az. 33 Wx 202/25 e), der klarstellt, dass zwar keine Schönschrift erforderlich ist, aber der Namenszug erkennbar sein muss.
Ein eigenhändiges Testament ist nur dann rechtlich gültig, wenn es vollständig handschriftlich erstellt und mit einer eigenhändigen Unterschrift versehen ist (§ 2247 BGB).
Diese Unterschrift muss nicht lesbar sein, jedoch als solche erkennbar bleiben. Ein simples Kürzel, ein Zeichen oder eine Linie ohne Buchstabenstruktur erfüllt diese Voraussetzung in der Regel nicht.
Entscheidung des OLG München vom 19. Mai 2026 – Az. 33 Wx 202/25 e
Das OLG München befasste sich mit der Frage, ob eine stark vereinfachte Zeichnung oder geschwungene Linie als Unterschrift im Sinne des § 2247 Abs. 3 BGB anerkannt werden kann. Dies war im Kontext eines handschriftlichen Dokuments relevant, das nach einem bestehenden notariellen Testament verfasst wurde.
„Ich widerrufe alle Testamente“ – der Sachverhalt
Der Erblasser hatte im Laufe seines Lebens mehrere Testamente erstellt. Zuletzt hatte er im Februar 2022 ein notarielles Testament errichtet, das einen Alleinerben bestimmte.
Einige Wochen später verfasste er im Krankenhaus ein handschriftliches Dokument, in dem er erklärte: „Ich widerrufe alle Testamente.“ Unter dem Text befand sich anstelle einer lesbaren Unterschrift nur ein stark vereinfachtes Zeichen oder eine geschwungene Linie.
Obwohl unstrittig war, dass dieses Zeichen vom Erblasser stammte, war umstritten, ob das Dokument als eigenhändiges Testament oder zumindest als wirksamer Widerruf vorheriger Verfügungen gelten konnte.
Das Nachlassgericht hatte die Erklärung zunächst für wirksam gehalten und angenommen, dass alle früheren Testamente widerrufen worden seien, was zur gesetzlichen Erbfolge geführt hätte.
Der im notariellen Testament eingesetzte Alleinerbe legte jedoch Beschwerde gegen diese Entscheidung ein.
OLG München: Formunwirksamkeit des handschriftlichen Testaments festgestellt
Das OLG München entschied, dass das handschriftliche Dokument formunwirksam war, da es nicht korrekt unterschrieben wurde (§ 2247 Abs. 3 BGB). Folglich konnte es weder als neues Testament noch als wirksamer Widerruf früherer Testamente betrachtet werden.
Das notarielle Testament vom Februar 2022 blieb somit gültig, und der dort bestimmte Alleinerbe behielt seinen Erbanspruch.
Wichtig ist, dass auch der Widerruf eines Testaments bestimmten Formvorschriften unterliegt. Ein Widerruf kann unter anderem durch ein späteres, wirksames Testament erfolgen (§ 2254 BGB). Fehlt die notwendige Form, scheitert auch der Widerruf.

Eigenhändiges Testament: Korrekte und gut erkennbare Unterschrift entscheidend / © MTR Legal Rechtsanwälte
Unterschrift: Der Namenszug muss erkennbar sein
Gemäß § 2247 BGB muss ein eigenhändiges Testament „unterschrieben“ sein. Das OLG München betonte, dass nicht jedes beliebige Zeichen diese Anforderung erfüllt.
Ein Schriftzug, der zumindest andeutungsweise Buchstaben erkennen lässt und als Namenswiedergabe erscheint, ist erforderlich. Die Unterschrift muss nicht lesbar sein; auch ein stark vereinfachter oder flüchtiger Namenszug kann genügen, solange der Eindruck einer Namensunterschrift gewahrt bleibt.
Warum ein einfaches Zeichen unzureichend ist
Im konkreten Fall erkannte das Gericht in dem Zeichen keinerlei Buchstaben und bewertete es als grafisches Gebilde ohne Schriftstruktur. Dies änderte auch nicht die Tatsache, dass es vom Erblasser stammte.
Die Unterschrift hat eine wesentliche Funktion: Sie soll den Abschluss der Erklärung deutlich machen und bezeugen, dass der Erblasser den darüber stehenden Text als seinen letzten Willen betrachtet (sogenannte Abschlussfunktion). Eine einfache Linie oder ein Handzeichen kann diese Funktion in der Regel nicht erfüllen.
Formale Anforderungen an ein handschriftliches Testament im Überblick
Wer ein eigenhändiges Testament erstellen möchte, sollte folgende gesetzliche Anforderungen berücksichtigen:
- Vollständig handschriftlich: Der gesamte Text muss eigenhändig vom Erblasser geschrieben sein (§ 2247 Abs. 1 BGB). Weder Ausdrucke noch Computerschrift oder handschriftliche Ergänzungen auf Ausdrucken sind ausreichend.
- Eigenhändige Unterschrift am Ende: Die Unterschrift muss den Text räumlich abschließen (§ 2247 Abs. 1, Abs. 3 BGB). Normalerweise umfasst sie Vor- und Nachnamen; ein konsistenter Namenszug kann jedoch ausreichen, wenn er als solcher erkennbar ist.
- Keine „Unterschrift-Ersatzzeichen“: Linien, reine Kürzel oder Symbole sind riskant und oft unwirksam.
- Ort und Datum: Obwohl Ort und Datum nicht zwingend erforderlich sind, sind sie dringend empfohlen (§ 2247 Abs. 2 BGB). Sie erleichtern die zeitliche Einordnung und helfen, Streitigkeiten zu vermeiden.
- Änderungen und Ergänzungen: Nachträgliche Ergänzungen sollten klar markiert, erneut unterschrieben und idealerweise datiert werden. Ergänzungen oberhalb einer bereits vorhandenen Unterschrift können zu Auslegungs- und Wirksamkeitsproblemen führen.
- Lesbarkeit und Klarheit: Der Inhalt sollte eindeutig sein, insbesondere wer Erbe werden soll und ob Vermächtnisse, Auflagen oder Enterbungen gewollt sind. Unklare Formulierungen führen häufig zu Konflikten.
Hinweis: In vielen Fällen kann ein notarielles Testament sinnvoll sein, da es Formfehler vermeidet und häufig die spätere Abwicklung erleichtert (z. B. bezüglich des Erbscheins). Welche Gestaltung im Einzelfall angemessen ist, hängt von den individuellen familiären und wirtschaftlichen Verhältnissen ab.
Fazit: Kleine Formfehler mit großer Wirkung
Der Beschluss des OLG München verdeutlicht die Notwendigkeit, die formalen Anforderungen an ein handschriftliches Testament strikt zu beachten. Besonders die Unterschrift ist ein zentraler Wirksamkeitsfaktor:
Sie muss nicht lesbar, aber als Namenszug erkennbar sein. Wer hier „abkürzt“, riskiert, dass der letzte Wille rechtlich nicht durchgesetzt wird. MTR Legal Rechtsanwälte bietet Beratung zu Fragen rund um Testamente, Nachlassgestaltung und weitere Themen des Erbrechts an. Weitere Informationen finden Sie unter: MTR Legal Erbrecht
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Quelle / Fotos: mtrlegal.com







