Vier Pfoten: Hamburger Zahnarzt untersucht Hanna und Sindi

Am vergangenem Freitag hat der Hamburger Zahnarzt Dr. Marc Loose die beiden Braunbären Hanna und Sindi im Bärenwald Müritz behandelt. Beide Bären haben sich inzwischen gut von der Narkose erholt und sind wieder auf ihren Streifzügen im Bärenwald unterwegs. Carsten Hertwig (48), Geschäftsführer des Bärenwald Müritz und Leiter der internationalen Bärenprojekte von Vier Pfoten: „Wir sind sehr froh, einmal jährlich einen tierärztlichen Gesundheits-Check auf unserem Gelände durchführen lassen zu können.

Viele unserer Bären leiden durch die schlechten, vorherigen Haltungsbedingungen und der falschen Ernährung mit viel Süßem, an massiven Zahnproblemen.“ Im Bärenwald Müritz werden die Bären artgemäß gefüttert: Auf dem Speiseplan stehen frisches Gemüse, Obst und Fisch – Süßigkeiten wie zum Beispiel Rosinenbrötchen sind Tabu.

Die Betäubung der Bären erfolgt durch einen Narkosepfeil
Die Betäubung der Bären erfolgt durch einen Narkosepfeil

Bärin Hanna: Parodontitis, Zahnstein und Wurzelbehandlung
Die 23-jährige Hanna kam im März 2014 als Hannes in den Bärenwald Müritz. Sie lebte bis dahin im Tierpark Wolgast als Hannes. Erst kurz vor der geplanten Kastration vor einem Jahr, kam heraus, dass sie ein Weibchen ist. Das ehemalige Gehege von Hanna war nicht nur sehr klein, sondern auch feucht und dunkel.

Die durch die Ausscheidungen der Bärin verursachten Ammoniakdämpfe haben die Nasenschleimhaut und die Nasenscheidewand massiv geschädigt. Zahnarzt Dr. Marc Loose (49): „In den neun Jahren meiner ehrenamtlichen Tätigkeit für Vier Pfoten habe ich noch nie einen Bären gesehen, der so massiven Zahnstein hatte, wie Hanna. Zunächst konnte ich mir dies nicht erklären, doch als wir die Entzündung der Nasenscheidewand und Schleimhäute sahen, war mir klar, dass Hanna nur noch durch den Mund atmen kann.

Nach der gründlichen Zahnreinigung, die ca. eine Stunde dauerte, haben wir dann das ganze Ausmaß ihrer Zahnschädigungen feststellen können: die Zahnhälse der Frontzähne liegen frei, das Zahnfleisch ist stark zurück gegangen, alle vier Eckzähne benötigen eine Wurzelkanalbehandlung. Sie wird leider die nächsten Jahre mehrere Zahnbehandlungen haben müssen“. Eine Wurzelkanalbehandlung konnte Dr. Loose noch durchführen, dann wurde die Narkose nach gut zwei Stunden beendet, um die Bärin nicht weiter zu belasten.

Bärin Sindi wird zum Zahnarzt gebracht
Bärin Sindi wird zum Zahnarzt gebracht

Bärin Sindi: Zahnfraktur und Wurzelbehandlung
Im letzten Jahr hatte sich die 25-jährige Sindi eine Kieferfraktur zugezogen, die in einer aufwändigen Operation behandelt wurde. Die Ärzte waren nun erleichtert, als sie sahen, dass alles gut verheilt war. Doch auf der anderen Seite des Unterkiefers entdeckten sie einen frakturierten Eckzahn, an dem sich ein Abszess gebildet hat.

Dr. Loose entfernte den frakturierten Teil des Zahnes, spülte den Abszess und führte am gleichen Eckzahn eine Wurzelkanalbehandlung durch, um die Stabilität des Kiefers zu erhalten und die Gefahr eines weiteren Kieferbruchs zu vermeiden. Sindi kam im Mai 2006 mit ihrem Bruder Lothar, als erste Bärin in den Bärenwald Müritz. Vorher lebten die beiden im Schwarzwaldpark Löffingen in einem kleinem, von Mauern umgebenen und mit Betonboden ausgestatteten Gehege.

Der Hamburger Zahnarzt Dr. Marc Loose in Action Bärin Sindi in Behandlung
Der Hamburger Zahnarzt Dr. Marc Loose in Action: Bärin Sindi in Behandlung

Das Ärzte-Team
Der Hamburger Zahnarzt Dr. Marc Loose ist einer der wenigen Spezialisten auf dem Gebiet der Wildtierzahnmedizin. Neben seinem Expertenwissen hatte er seine mobile Praxis im Gepäck: Speziell für die Tiere angefertigte Feilen, Bohrer, diverse chirurgische Instrumente und ein mobiles Röntgengerät. Während der Zahn-OP überwachte Tierärztin Johanna Painer vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin streng die Narkose. Sie nahm beiden Tieren Blut, Kot und Urin für die Laboruntersuchung ab. Alle Bären wurden geröntgt und mittels Ultraschall untersucht.

Über den Bärenwald Müritz
Der Bärenwald Müritz ist ein Projekt der Tierschutzstiftung Vier Pfoten. Hier werden Bären aufgenommen, die die Tierschützer aus schlechter Haltung befreien konnten. Die Tiere stammen aus engen Käfigen oder kleinen Betongehegen in deutschen oder polnischen Zoos und aus dem Zirkus. Im Bärenwald Müritz haben die Braunbären 16 Hektar Platz und somit genug Gelegenheit, sich zurückzuziehen und nicht nur den Parkbesuchern auf der anderen Seite des Zauns, sondern auch einander aus dem Weg zu gehen, wenn sie es wollen.

Zudem ist die ihnen zur Verfügung stehende Fläche bewusst naturbelassen gestaltet, um den Tieren ein möglichst bärengemäßes Leben zu ermöglichen. Viele der Bären haben erst hier zu ihrem natürlichen Verhalten zurückgefunden und sind nach ihrer Ankunft im Bärenwald zum ersten Mal in Winterruhe gegangen. Dieses Projekt dient in erster Linie natürlich dem Schutz der Bären, ist aber auch ein wichtiger Teil der Aufklärungs- und Bildungsarbeit welche sich Vier Pfoten zum Ziel gesetzt hat, um den Tierschutzgedanken in der Bevölkerung zu etablieren.

Über Vier Pfoten – Stiftung für Tierschutz
Die international tätige Tierschutzstiftung Vier Pfoten setzt sich für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Mitgefühl und Verständnis begegnen. Mit nachhaltigen Kampagnen fordert Vier Pfoten artgemäße Lebensbedingungen für Nutz-, Heim- und Wildtiere. Bären und Großkatzen aus katastrophaler Haltung finden in den Vier Pfoten Schutzzentren ein tiergerechtes Zuhause.

Orang-Utan-Waisen werden in der Vier Pfoten Waldschule auf ein Leben in Freiheit vorbereitet. Die Streunerhilfe kastriert jährlich tausende Straßenhunde und -katzen in ganz Europa; die Tiernothilfe rettet Tiere in Krisengebieten. Vier Pfoten wurde 1988 von Helmut Dungler in Wien gegründet. Das deutsche Büro wurde 1994 gegründet und ist eine von weltweit 11 Niederlassungen. Vier Pfoten Deutschland ist Mitglied im Deutschen Spendenrat und im Bundesverband Deutscher Stiftungen.

Foto / Quelle: vier-pfoten.de, baerenwald-mueritz.de

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