Seitensprungportale machen Fremdgehen einfach

Seitensprungagenturen boomen und locken mit dem Versprechen die geheimen sexuellen Wünsche wahr werden zu lassen und wieder Pepp in den grauen Alltag zu bringen. Fremdgehen ist nichts neues, neu ist aber, dass es so leicht geworden ist. Denn wenn man sich die steigenden Mitgliederzahlen ansieht, scheint es als ob es einen Trend dahin gibt, dass man sich nicht mehr selbst eine Affäre sucht, sondern das dem Profi überlässt. Wir sprachen darüber mit dem Freiburger Soziologen Dr. Sacha Szabo, der Alltagstrends im Auftrag des Instituts für Theoriekultur untersucht.

Frage: Herr Szabo haben Sie eine Erklärung für den Boom der Onlinebörsen?

Sacha Szabo: Seitensprungagenturen sind ja eigentlich Online Kontaktbörsen. Früher gab es sowas auch, nur eben analog in der Schmuddelecke an der Tankstelle. Dort gab es Sexmagazine mit expliziten Kontaktanzeigen und sogar den dazugehörigen Nacktbildern. Aber das alles war sehr obszön inszeniert und gleichzeitig einfach und billig gemacht. Jetzt wird dieses Angebot cleaner und trendiger. Natürlich ist Online auch die Hemmschwelle einmal rein zu schauen niedriger.

Aber das Arrangement wird nicht wirklich einem Profi überlassen, sondern einem Algorithmus. Dann gibt es auch Sexpartys und spezielle Seitesprungpartys. Aber natürlich gibt es auch wirkliche Arrangeure, die dies als Dienstleistung anbieten. Diese machen sich allerdings schnell der Kuppelei oder Zuhälterei schuldig. Dies gehört in den Bereich der Libertinage.

Aber diese Art der Lebensführung betrifft weniger die Masse, sondern ist eher ein Lebensstil, der sich in der Oberschicht erhalten hat. Dort wird noch ein ehemals adliges Verhalten konserviert, denn im Adel war Sexualität und Treue nicht miteinander gekoppelt. Man ging sehr frei mit der Sexualität um, ganz im Unterschied zum Bürgertum das sich durch eine rigide Sexualmoral vom Adel absetzen wollte. Ein wunderbares Beispiel dafür ist Lessings Emilia Galotti.

Wie viele tun es wirklich?
Wie viele tun es wirklich?

Frage: Denken Sie der Boom für Onlineangebote ist nur ein kurzfristiger Trend oder eine anhaltende Entwicklung?

Sacha Szabo: Der Trend geht klar zu den Onlineangeboten hin, da diese eine niedrige Hemmschwelle haben. Dort wird es wiederum Premium-Angebote geben, bei denen auch die Fotos geschmackvoller sind. Geld ist hier ein Distinktionskriterium und Geld, das wiederum auch Macht repräsentiert, hat eben eine eigene Anziehungskraft. In diesen Portalen wird Sexualität zum Genussmittel und zu einem Statussymbol und dient nicht nur der Frustkompensation. Das was diese Portale versprechen ist Sexualität als Erlebnis zu verkaufen. Da der Trend ganz klar hin zum Erlebnis geht und Sex das ursprünglichste außeralltägliche Erlebnis ist, werden diese Portale ihre Angebote weiter entwickeln.

Auch hat sich die Präsentation der Sexualität verändert. Waren die alten Magazine noch mit dem Makel des Obszönen behaftet, so wurde die Sexualität in der Moderne aus dem dunklen des Verruchten herausgeholt und warenförmig konfektioniert angeboten. Der Pornomarkt wurde sozusagen gentrifiziert. Die Sexualität ist im Kapitalismus angekommen. Jetzt ist sie hell und sauber. Der Sex ist Clean geworden.

Frage: Ist es allgemein so, dass heutzutage mehr fremdgegangen wird?
Sacha Szabo: Es gibt eigentlich keine wirklich fundierte Studie zum Fremdgehen. Die Studien die es gibt, wiedersprechen sich häufig. Wenn man die Trends im groben skizziert, dann treffen die meisten Studien Aussagen, dass zwischen 20 und 40% Fremdgehen, dabei sind es immer mehr Männer als Frauen.

Die Gründe fremdzugehen werden in der Hauptsache damit angegeben, dass man in der Beziehung keine sexuelle Erfüllung findet. Die Gründe weswegen es in der Beziehung nicht klappt sind ganz unterschiedliche. Man hat sich auseinandergelebt und das Interesse aneinander verloren. Ein Grund dafür ist auch darin zu suchen, dass man mehr Zeit auf der Arbeitsstelle als miteinander verbringt und so wenig hat das man teilen kann. Dies führt dann wiederum auch dazu, dass sehr viele Affären am Arbeitsplatz stattfinden.

Wirklich viel Romantik, viel Abenteuer ist da nicht, sondern es ist mehr Frustration die das Fremdgehen auslöst. Natürlich ist das irgendwie aufregend, aber es hinterlässt eben auch tiefe Wunden in der Beziehung. Es ist kein Abenteuer das einem einen neuen Horizont ermöglicht, es ist nicht die Zauberwelt aus Eyes Wide Shut und der Arbeitnehmer ist eben auch kein Adliger der die Libertinage lebt. Doch nur dort ist das Fremdgehen ein Kavaliersdelikt, was man ja häufig noch bei Berichten über den Adel und das Großbürgertum in der Yellow-Press verfolgen kann.

Foto / Quelle: Image courtesy of photostock at FreeDigitalPhotos.net, institut-theoriekultur.de

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