Maut: Das verlangen Urlaubsländer für die Straßennutzung

Nicht ohne Pickerl: Während Deutschland diskutiert, machen es Österreich und die Schweiz schon lange vor. Wer hier die Autobahnen nutzt, zahlt dafür. Die Regelungen in den Nachbarländern kennen Autofahrerinnen und Autofahrer. Doch bei weiterer Entfernung herrscht oft Unwissenheit über die anfallenden Gebühren zur Nutzung von Autobahnen und Schnellstraßen.

Aufgrund der verschiedenen Regelungen in den europäischen Ländern lässt sich nicht immer der Überblick behalten. Der Qualitäts-Mietwagen-Veranstalter Sunny Cars informiert zusammenfassend, was Urlauberinnen und Urlauber auf der Fahrt ins Paradies erwartet. Wege- oder Brückenzoll gibt es schon seit hunderten von Jahren in Europa.

Aus dem alten Begriff leitete sich die heutige Bezeichnung Maut ab. Sie stellt einen Überbegriff für Straßennutzungsgebühren dar, etwa für Autobahnen, Schnellstraßen, Brücken und Tunnel. Der Sinn dahinter: Eine Beteiligung aller Nutzer an den Finanzierungs- und Erhaltungskosten der jeweiligen Verkehrsbauwerke. In Europa gibt es zwei unterschiedliche Systeme, die Gebühr einzufordern.

Die Abrechnung erfolgt entweder abhängig von der gefahrenen Strecke oder über eine einmalige Vignetten-Pauschale. Diese gilt für einen bestimmten Zeitraum, egal, wie oft jemand die Straßen befährt. Vor allem im Süden Europas, gelegentlich aber auch im Westen und Osten erheben Länder diese Kosten. In Skandinavien gibt es dagegen nur selten eine Gebühr.

Maut, Vignette, Pickerl

Grundsätzlich lassen sich streckenbezogene Mautgebühren grob bei 0,06 Euro bis 0,15 Euro pro gefahrenem Kilometer kalkulieren. Die Bezahlung erfolgt beim Ein- oder Ausfahren an der Mautstation. In einigen Ländern gibt es elektronische Bezahlsysteme. Das klassische Mautsystem kommt vor allem in folgenden EU-Ländern vor:

  • Frankreich: Die Autobahngebühr variiert zwischen 0,07 Euro bis 0,16 Euro pro Kilometer. Die Durchfahrt durch den bekannten französisch-italienischen Mont-Blanc-Tunnel kostet 48 Euro.
  • Griechenland: Die einfache Fahrt auf den meisten Autobahnabschnitten liegt zwischen 2,20 Euro und 17,40 Euro.
  • Irland: Hier startet die Maut in der Regel bei 0,07 Euro und reicht bis hin zu 2 Euro. Auch für Tunnel und Brücken zahlen Autoreisende eine ähnliche Summe.
  • Italien: Ein Kilometer mit dem Pkw kostet hier durchschnittlich 0,07 Euro. Zusätzliche Gebühren fallen für Tunnel und Pässe an, wie beispielsweise 16 Euro für die Timmelsjoch-Hochalpenstraße.
  • Kroatien: Die Mautgebühren reichen von 0,95 Euro bis zu 17,30 Euro, letzteres betrifft beispielsweise die Fahrt von Zagreb bis Lipovac.
  • Polen: Auch dieses Land erhebt teilweise Straßennutzungsgebühren. So beträgt die Maut von Frankfurt/Oder nach Warschau aktuell etwa 30 Euro. Bis Krakau sind es nur etwa 12,00 Euro.
  • Portugal: Die teuerste Strecke der Portugiesischen Republik beträgt rund 22 Euro, die günstigste hingegen 1,15 Euro.
  • Spanien: 100 spanische Kilometer kosten durchschnittlich 10 Euro. Damit zählen die Mautgebühren hier zu den höchsten in ganz Europa.
Mautstation
Im Ausland an die Maut denken! / © pixabay.com – tomwieden

Folgende acht europäische Staaten bevorzugen hingegen das Vignetten-System

  • Bulgarien: Sieben Tage kosten acht Euro, ein Monat 15 Euro, ein Jahr 150 Euro.
  • Österreich: Das Pickerl für zehn Tage bekommen Gäste für 9,60 Euro. Für zwei Monate liegt der Preis bei 28,20 Euro, für ein Jahr bei 93,80 Euro. Dazu kommen Extrakosten für einzelne Strecken. Diese liegen bei beispielsweise 19,40 Euro für die Tauernschleuse oder 6 Euro für den Bosruck-Tunnel. Mit jeweils 11 Euro schlagen die Fahrt für den Arlberg- und Felbertauern-Tunnel zu Buche. 10,50 Euro kostet die Europabrücke am Brennerpass.
  • Rumänien: Sieben Tage Vignetten liegen bei drei Euro, drei Monate 13 Euro, ein Jahr 28 Euro.
  • Schweiz: Die Alpenrepublik bietet lediglich eine Jahresvignette für 39 Euro an. Dazu gibt es Einmalgebühren für Tunnel. Dazu zählt etwa der Grosse-St.-Bernhard-Tunnel, wo die Durchfahrt rund 27 Euro kostet.
  • Slowakei: Die Kosten für zehn Tage betragen zehn Euro, für einen Monat 14 Euro, für ein Jahr 50 Euro.
  • Slowenien: Sieben Tage kosten 15 Euro, ein Monat 30 Euro, ein Jahr 110 Euro. Der viel befahrene Karawanken-Tunnel verlangt zusätzliche 7,60 Euro pro Durchreise.
  • Tschechien: Zehn Tage kosten 12 Euro, ein Monat 17 Euro, ein Jahr 57 Euro.
  • Ungarn: Zehn Tage liegen bei 10,25 Euro, ein Monat bei 14 Euro, ein Jahr bei 125,70 Euro. Damit liegt die Ungarische Volksrepublik auf Platz eins der teuren Jahresvignetten.

Autofahrerinnen und Autofahrer nutzen die Vignette sowohl für Fahrten auf Autobahnen als auch auf Schnellstraßen. Meist bekommen Reisende das Pickerl als Aufkleber für die Frontscheibe ihres Fahrzeugs. Mittlerweile gibt es jedoch häufig auch eine digitale Vignette.

Die teuersten Mautstraßen

Spitzenreiter in Europa bildet die Schweiz mit ihren vielen Alpenpässen und Tunneln. Die durchschnittlichen Nutzungskosten liegen dort bei 21,90 Euro. Platz zwei belegt Österreich mit 13,46 Euro im Schnitt. Was einzelne Mautstraßen weltweit betrifft, verlangt die Pennsylvania Turnpike im gleichnamigen US-Staat mit durchschnittlich 93,24 Euro am meisten.

Die kostspieligste Straße Europas hingegen befindet sich in Österreich: Die vor allem aufgrund ihres beeindruckenden Bergpanoramas sehr beliebte Großglockner-Hochalpenstraße fordert 38 Euro pro Tag.

Vorab-Information nötig

Es empfiehlt sich, die Mautbestimmungen in den entsprechenden Transit- und Urlaubsländern schon vor Reisebeginn zu checken. Wer sich nicht sicher fühlt, hat immer noch die Möglichkeit einen Schalter mit Personal zu wählen. Aber Vorsicht: An Mautstationen besser nicht wenden oder rückwärtsfahren. Auf Lenkerinnen und Lenker, die dennoch zurücksetzen, kommen entsprechenden Bußgelder zu. Diverse Online-Routenplaner stellen alle Routendetails, aktuelle Kraftstoffpreise, Tempolimits und Informationen zu Mautgebühren bereit.

Dahin fließen die Gelder

Mautgebühren sind für Fahrerinnen und Fahrer unangenehm, generieren jedoch wichtige Einnahmen. So stemmen diese die Ausgaben für die Erneuerung von Straßen, den Ausbau bestehender Verbindungen und diverse Instandhaltungsarbeiten. Personen, die diese Wege tatsächlich befahren, entlasten dadurch heimische Steuerzahlerinnen und Steuerzahler.

Nicht zahlen lohnt sich nicht

Fehlende oder falsch an der Windschutzscheibe angebrachte Vignetten bringen teils drastisch hohe Bußgelder mit sich. Slowenien bittet Regelbrechende mit bis zu 800 Euro an die Kasse. Es folgen Österreich und die Schweiz mit Bußgeldern zwischen 120 und 300 Euro. Zudem gilt es, Umweltplaketten für Umweltzonen und Innenstädte zu beachten.

Sie entsprechen einer Gebühr, die mit der zunehmend schlechter werdenden Luftqualität im urbanen Raum zusammenhängt. Um sie sicher rechtzeitig zu erhalten, bestellen Reisende die Plakette online mindestens zehn Tage vor Reiseantritt.

Quelle / Fotos: sunnycars.de / © pixabay.com

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