Fiat Punto Typ 188: Es muss Liebe sein

Ja, ich fahre einen gebrauchten Fiat. Zehn Jahre alt. Diese beiden Sätze sorgen bei Auto-Enthusiasten und Vernunftsmenschen regelmäßig für Kopfschütteln oder blödes Grinsen. „Ah okay, Du bist sicher ADAC-Plus-Mitglied“, ist eine der üblichen Bemerkungen, die ich nach Verkündung des fahrbaren Untersatzes oft höre.

Aber mein kleiner Punto – Typ 188, Modell 1,2 Sound – macht seinen Job und mit viel Phantasie kann man sogar ein wenig italienisches Lebensgefühl spüren. Klar, das Auto hat ab und zu eine Macke und gönnt sich eine technische Schaffenspause, aber im Großen und Ganzen sprengt das nicht den erwarteten Rahmen.

Fiat Punto Typ 188
Fiat Punto Typ 188

Dabei hat dieser italienische Kleinwagen eine Ausstattung, von der die meisten Käufer kleiner Neuwagen selbst heute nur gegen Aufpreis träumen dürfen. Elektrische Fensterheber, ein elektrisches Schiebedach, die Sportsitze und eine Fernbedienung für die Zentralverriegelung mit Blinkerquittung sind die Hauptmerkmale. Das Sondermodell „Sound“ des Punto Typ 188 zeichnete sich durch Extra-Lautsprecher und einen separaten Subwoofer im Kofferraum aus. Der Klang ist selbst nach den vielen Jahren noch sehr klar und mit viel Wumms (also Bass) versehen.

Die Mittelkonsole wurde im Alu-Stil produziert, was aber nichts anderes als ein billiger Look aus Plastik ist. Eigentliches Highlight des Autos sind die Sportsitze. Sie sind sehr bequem, höhenverstellbar und geben einen exzellenten Seitenhalt. Auch wenn man den als Fahrer trotz des später eingebauten Sportfahrwerkes samt Sportfedern nicht wirklich oft benötigt. Fliehkräfte sind bei einer Motorisierung von 60 PS komplett ausgeschlossen.

Fiat Punto Typ 188
Fiat Punto Typ 188

Ein Gimmick italienischer Ingenieurskunst der Jahrtausendwende sind die Fensterheber. Ist der Motor ausgeschaltet, lassen sich die Fensteröffner noch weitere zwei Minuten bedienen. Dazu passt der Knopf für die City-Lenkung, die auch in aktuelleren Puntos zu finden ist. Damit wird die Servounterstützung aktiviert, um das Auto leichter zu lenken, etwa beim Einparken.

Das Design der Karosserie wirkt im Jahr 2013 auf den Betrachter wie ein alter Prosecco ohne Kohlensäure. Aber außen prickelt dieser Fiat Punto immerhin mit schwarz vergitterten Lufteinlässen. Auch in Kombination mit nachgerüstetem Tagfahrlicht sorgt dieser sportive Look nicht für ein gutes Überholimage auf der Autobahn. Fällt doch mal ein vorausfahrendes Auto darauf herein, dauert es eine gefühlte Ewigkeit, bis man vorbeizieht. Also lieber auf der rechten Spur bleiben.

Fiat Punto Typ 188
Fiat Punto Typ 188

Kein Wunder, denn mit 60 PS ist man heutzutage wirklich untermotorisiert. 14,3 Sekunden von null auf 100 km/h sind bei weitem nicht die Kraft eines durchschnittlichen Wagens, die Elastizität bei höheren Geschwindigkeiten ist kaum der Rede wert. In der Stadt allerdings fällt das kaum auf. Denn die „Leistung“, also das Drehmoment von satten 102 Nm, ist schon ab unter 2.000 Umdrehungen fast vollständig verfügbar. Als Spitze sind mit viel Mut hinterm Steuer 155 km/h drin.

Die Vorteile bei diesem kleinen Auto sind der Verbrauch (um die 6,5 Liter im Alltag) und die Tatsache, dass man ziemlich unauffällig unterwegs ist. Sollten Sie also demnächst ein gefeierter Rockstar werden und möchten Paparazzi keine Chance geben, kaufen Sie sich diesen Punto. Es wird Sie keiner großartig beachten; vor allem, weil noch viele andere der Automobile dieser 188er Baureihe auf innerstädtischen Straßen unterwegs sind.

Fiat Punto Typ 188
Fiat Punto Typ 188

Und diese Fahrerinnen und Fahrer müssen dann wie ich mit einigen kleinen Sorgen zur Funktionalität leben. Besonders anfällig sind Kupplung und Getriebe, die ab einem Kilometerstand von knapp über 100.000 Kilometern gerne ausgewechselt werden. Die Elektrik hält sich bei meinem Punto überraschenderweise mit Problemen in Grenzen, Fensterheber und Schiebedach funktionieren wie am ersten Tag.

Am liebsten fährt der Punto regelmäßig zur Inspektion. Die netten Mitarbeiter beim Hamburger Fiat Vertragshändler weisen dann auf bald fällige Wechsel der üblichen Verschleißteile, frische Reparaturen oder notwendige Erneuerungen hin. Da sind gerne einmal um die 500,- Euro extra im Umlauf. Und ja, man sollte ADAC-Plus-Mitglied sein. Es kann durchaus vorkommen, dass man wegen unvorhersehbarer Mängel abgeschleppt werden muss.

Das ist aber bei einem zehn Jahre alten Fiat, der täglich bei Wind und Wetter als Gebrauchsgegenstand genutzt wird, kein wirkliches Wunder. Wenn die Sonne scheint, das Schiebedach geöffnet ist und die Musik aus der Anlage dröhnt, dann fühle ich mich in diesem Auto ein klein wenig wie im Urlaub, als ob ich in Mailand im Leihwagen die Piazza della Scala auf- und abfahre.

Trotz leichter Ironie in den Sätzen oben: Ich schätze dieses Auto und fahre es noch weiter. Es muss einfach irgendwie Liebe sein…

Fotos: hamburg040.com via iPhone

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