Norddeutsche Intensivstationen überlastet: Fehlendes Personal führt zu Engpässen

Fehlendes Pflegepersonal auf Intensivstationen führt zunehmend zu Engpässen bei der Notfallversorgung in norddeutschen Kliniken. Nach Recherchen des NDR Politikmagazins „Panorama 3“ hat sich die Lage in Niedersachsen und Bremen im letzten Jahr weiter verschärft.

„Panorama 3“ hatte Einblick in ein internes Kommunikationssystem zwischen Rettungsleitstellen und Kliniken. Darüber melden sich Stationen ab, wenn sie keine Patienten mehr aufnehmen können. So sollen Rettungswagen gezielt zu Krankenhäusern mit freien Kapazitäten gelenkt werden. „Panorama 3“ hat Millionen von Daten für den Bereich der Intensivstationen in Niedersachsen und Bremen analysiert.

Die sieben Kliniken der Stadt Bremen zusammengenommen haben demnach eine Abmeldequote für die Intensivstationen von mittlerweile 66 Prozent. Auch in der Region Hannover hat sich die Situation verschlechtert: So lag hier die Abmeldequote für die chirurgischen Intensivbetten bei inzwischen 32 Prozent, im Bereich der internistischen Intensivbetten bei zusammengerechnet 53 Prozent der Gesamtzeit.

 

Schon ohne Corona-Patienten akuter Pflegenotstand - Super !
Schon ohne Corona-Patienten akuter Pflegenotstand – Super !  (c) pixabay

In einer vergleichbaren Analyse aus dem Jahr 2018 waren die Zahlen noch niedriger. Für die Intensivstationen in Bremen hatte „Panorama 3“ damals eine Abmeldequote von knapp 50 Prozent errechnet. In der Region Hannover lag die Abmeldequote für die chirurgischen Intensivstationen im selben Zeitraum bei rund einem Viertel, im Bereich der internistischen Intensivstationen bei zusammengerechnet über 40 Prozent der Gesamtzeit.

Offenbar sind einige Intensivstationen dauerhaft überlastet. So meldeten sich in Bremen an mehr als jedem dritten Tag alle Intensivbereiche der Kliniken gleichzeitig ab. An elf Tagen sogar länger als acht Stunden. In dem Auswertungszeitraum hatten sich an einem Tag alle Kliniken sogar 20 Stunden lang abgemeldet.

Ein Grund für die zunehmenden Engpässe ist offenbar die Personalnot. Fehlt Personal, werden Betten dauerhaft gesperrt. Nach „Panorama 3“-Recherchen können in manchen Krankenhäusern bis zu einem Drittel der vorhandenen Intensivkapazitäten nicht genutzt werden, da die notwendigen Intensivpflegekräfte fehlen. Bettensperrungen in der Intensivmedizin sind nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft ein bundesweites Problem.

Offenbar haben die seit Januar 2019 geltenden Personaluntergrenzen das Problem an einigen Häusern noch verschärft. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft bewertet die neuen Grenzen angesichts von 17.000 unbesetzten Stellen „hoch problematisch“. Die Untergrenzen führten dazu, dass „zusätzliche Versorgungskapazitäten abgemeldet werden und Versorgungsengpässe entstehen“, sagt Georg Baum, Geschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG).

Die Daten der Auswertung stammen aus dem Onlinesystem „Ivena“, das im Norden von den Bundesländer Bremen und Niedersachsen genutzt wird. „Panorama 3“ konnte zwischen August 2019 bis Januar 2020 über vier Monate hinweg auf die „Ivena“-Daten von 84 Kliniken mit Intensivstationen in Niedersachsen und Bremen zugreifen.

Der Datenauswertung Ende 2018 lagen Daten von Anfang November bis Anfang Dezember 2018 zugrunde. Eine Abmeldequote von 66 Prozent – wie im Beispiel Bremen – bedeutet, dass alle Intensivstationen der sieben Kliniken in Bremen in dem erhobenen Zeitraum von vier Monaten 66 Prozent der Auswertungszeit auf Rot standen, also abgemeldet waren.

„Panorama 3“ am Dienstag, 11. Februar um 21.15 Uhr im NDR Fernsehen. Weitere Informationen zur Sendung unter www.NDR.de/panorama3

Foto / Quelle: www.ndr.de

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