Kann der Aufschwung stärker und schneller erfolgen, als erwartet?

Aus Anlegersicht war 2022 nicht nur turbulent, sondern vielmehr ein historisch schlechtes Jahr. Zahlreiche Assets büßten an Wert ein, teilweise sogar in einem Ausmaß, wie wir es seit fast einhundert Jahren nicht mehr gesehen haben. Es überrascht daher nicht, dass viele mit wenig Optimismus ins neue Jahr starten. Womöglich zu Unrecht, denn die Marktrückgänge haben erhebliche Chancen geschaffen, und gerade mittel- bis langfristig Orientierten könnten sich nun einmalige Möglichkeiten bieten.

Noch immer sind die wirtschaftlichen Bedingungen schwierig, und die Herausforderungen keineswegs überwunden. In wichtigen Märkten erwarten Analysten einen Rückgang der Konjunktur, auch die Weltbank hält es für möglich, dass sogar die globale Wirtschaft erneut in eine Rezession stürzt, wenngleich dies momentan noch nicht das Basisszenario sei:

„Die Weltwirtschaft steht auf Messers Schneide“, so Prognose-Chef Ayhan Kose gegenüber der Deutschen Presse-Agentur in Washington. Und weil die Energiepreise, Inflation sowie geopolitische Faktoren nach wie vor hochrelevant bleiben, ist es ratsam, mit Bedacht zu agieren. Die Märkte aus Angst nur von der Seitenlinie aus zu verfolgen, könnte sich jedoch als Fehler erweisen, denn bei Aktien, Anleihen, Versicherungsinvestitionen und vielem mehr könnte jetzt die Zeit für attraktive Einstiegspunkte gekommen sein.

So haben breit angelegte Abverkäufe zu sehr niedrigen Bewertungen geführt. Europäische Aktien beispielsweise werden „mittlerweile mit dem 11-fachen der zukünftigen Gewinne bewertet, gegenüber einem langfristigen Durchschnitt von 14“, so Vermögensverwalter GAM Investments in einem aktuellen Ausblick.

Die Marktherabstufung in Verbindung mit einem deutlichen Anstieg der Anleiherenditen sowie den Währungsanpassungen könne außerdem darauf hinweisen, dass ein Großteil der erforderlichen Anpassungen bereits erfolgt sei – doch weg von einzelnen Assets und hin zu den Herausforderungen, die das Krisenjahr 2022 so stark geprägt haben, bei denen sich aber zunehmend ein Hoffnungsschimmer abzeichnet.

Talsohle womöglich bereits erreicht

So gehen immer mehr Ökonomen davon aus, dass der Höhepunkt der Inflation in Deutschland bereits überschritten ist. Allen voran sei auch zu erwarten, dass sich die Energiepreise etwas zurückentwickeln. Zahlreiche Befürchtungen wie Mangellagen sind nicht eingetreten, wobei auch der milde Winter eine Rolle gespielt hat. Doch nicht nur in der Bundesrepublik, sondern auch weltweit prognostizieren Wirtschaftsexperten einen Rückgang der Inflation.

Gemäß dem „Economic Experts Survey“ des ifo Instituts und des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik liegen die globalen Inflationserwartungen für das Jahr 2023 bei 7,1 Prozent, wobei sie in Westeuropa, Nordamerika und Südostasien deutlich darunter liegen. Für das Jahr darauf liegt die Vorhersage bei 5,8 Prozent, 2026 erwarten die Experten im Mittel 4,5 Prozent weltweite Inflation.

Sollte sich der Rückgang auch in der Praxis zeigen und vor allem als nachhaltig erweisen, könnte sich die Stimmung an den Märkten bald schon deutlich aufhellen. Ein weiterer Faktor, der weit über den Konfliktherd hinaus auch unter Investorinnen und Investoren für Verunsicherung sorgt, ist der Ukraine-Krieg.

Ob der Aggressor mit militärischen Mitteln aus dem Land gedrängt werden kann, oder es zeitnah zu einer Verhandlungslösung kommt, das lässt sich als Beobachter Stand heute nicht seriös beurteilen. Allerdings scheint es, als dass sich viele auf einen längeren Konflikt einstellen. Mehr noch: auch in der China-Politik sind die Stimmen derer, die eine signifikante Verschlechterung der Beziehungen erwarten, am lautesten – und gerade diese Erwartungen könnten Investorinnen und Investoren nun zum Vorteil gereichen.

Börsenchart
Dämmerung folgt auf dunkelste Stunde / © pixabay.com – Pexels

Gut möglich nämlich, dass diese düsteren Szenarien bereits ausreichend in die Märkte eingepreist sind. Eine baldige und damit für manche vielleicht sogar überraschende Beendigung des Krieges sowie positive Impulse aus Peking könnten sprunghaft für Auftrieb sorgen. Gerade für letzteres gibt es Indizien, wenngleich der Praxistest noch aussteht.

Wie die Financial Times unter Berufung auf chinesische Beamte und eigene Quellen in der chinesischen Führung berichtet, verfolgt die Regierung das Ziel, die Beziehungen nach einer Zeit der Isolation zu einigen westlichen Ländern zu verbessern. Insbesondere die Partnerschaft mit europäischen Staaten habe im Zuge der Positionierung im Ukraine-Krieg gelitten, worüber Peking nicht glücklich sei.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass die weltwirtschaftliche Lage zwar auch 2023 noch hochkomplex und dynamisch ist, dass es aber keineswegs ausgemacht ist, dass die multiplen Krisen so lange anhalten, wie von manchen befürchtet – vielmehr könnte die eigentliche Überraschung noch folgen, nämlich dergestalt, dass die Erholung schneller als vom Gros antizipiert eintritt.

Wann es so weit ist, vermag erst die Zeit zu zeigen, und sie ist es auch, die verunsicherte Investorinnen und Investoren besonders freudig in die Zukunft blicken lässt. Häufig nämlich – bei aller Notwendigkeit, aktuelle Ereignisse in die Planung miteinzubeziehen – liegt der Fokus zu stark auf der Gegenwart und der nahen Zukunft, und zu wenig auf den mittel- bis langfristigen Chancen.

Denn ganz gleich, ob bei Aktien, ETFs, den wichtigsten und etabliertesten Kryptowährungen, Staatsanleihen, Rohstoffen, Immobilien oder anderen Formen der privaten Vorsorge: ist der Anlagehorizont lang genug, befindet man sich zumeist auf der Gewinnerseite.

Dämmerung folgt auf die dunkelste Stunde

Besonders augenscheinlich wird dies bei einem Blick auf historische Renditen. So hat sich zum Beispiel der US-Aktienmarkt seit dem Jahr 1900 mit einer annualisierten Realrendite von 6,7 Prozent entwickelt, wie aktuelle Daten des „Credit Suisse Global Investment Returns Yearbook“ aufzeigen. Und dies wohlgemerkt trotz all der einschneidenden Ereignisse, die seither stattgefunden haben – man denke an die Weltwirtschaftskrise ab 1929, die Weltkriege,

Ölkrisen, das Platzen der Dotcom-Blase, der Corona-Crash und vieles mehr. Die durchschnittliche Rendite mag bei Wertpapieren besonders hoch ausfallen, doch entwickelten sich auch zahlreiche weitere Assets auf lange Sicht überaus positiv. Dies verdeutlicht einmal mehr, dass Krisen – sofern gut und breit positioniert – für langfristig ausgerichtete Anlegerinnen und Anleger in der Regel kein großes Problem darstellen.

Mehr noch: sie sind nicht nur zu bewältigen, sondern bergen auch große Chancen, so die Einschätzung zahlreicher Akteure, darunter auch Urs Ramseier, CIO und Gründungspartner von Twelve Capital. Seiner Ansicht nach bieten die aktuellen Marktverwerfungen „in vielen Anlageklassen neue Anlagemöglichkeiten“, für Versicherungsinvestitionen sieht er dieser Tage sogar einer der besten Einstiegspunkte seit Jahrzehnten.

Es ist leicht, den Kopf bei Sonnenschein oben zu halten – deutlich schwieriger ist es bei Finsternis und Ungemach, doch auf die dunkelste Stunde folgt bekanntermaßen die Dämmerung. Noch scheuen viele Bürgerinnen und Bürger das vermeintliche Risiko, und fahren ihre Investitionen herunter. Gleichzeitig ist es vielleicht so wichtig wie noch nie in der jüngeren Geschichte, selbst vorzusorgen, Chancen zu ergreifen und aktiv zu werden. Wohl dem, der sich zu einem günstigen Zeitpunkt hierzu entschieden hat.

Quelle/Fotos: handelskontor-news.de / © pixabay.com

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