Wochenmarkt in Hamburg: Lebensgefühl mit langer Tradition

In Hamburg haben Wochenmärkte eine lange Tradition und sind bis heute ein wichtiger Bestandteil der Stadtkultur. Über den ganzen Wochenverlauf können in der Hansestadt frische Lebensmittel angeschaut, beschnuppert und gekostet werden – ein Genuss für alle Sinne, wenn auch aufgrund der aktuellen Situation eingeschränkt.

Aber auch unter Gesundheits- und Nachhaltigkeitsaspekten liegt der traditionsreiche Wochenmarkt immer noch am Puls der Zeit. Umso mehr, als dass Einkaufen in Ladengeschäften aktuell von vielen als unbehaglich wahrgenommen wird. Zwar gilt auch auf Wochenmärkten Maskenpflicht, doch die Tatsache, dass man an der frischen Luft ist, sorgt für mehr Sicherheit und ein besseres Gefühl.

Saisonale Lebensmittel, die auf kurzem Weg frisch vom Feld auf den Marktstand kommen, stecken voller Vitamine und Nährstoffe – damit kann sonst nur Tiefkühlware konkurrieren. Die kurzen Transportwege schlagen sich auch in der Ökobilanz nieder. Noch besser, wer zum Befüllen außerdem die eigenen Einkaufsbeutel oder Frischhaltedosen von daheim mitbringt. So wird einerseits Verpackungsmüll vermieden, andererseits lässt sich genau die Menge erwerben, die wirklich gebraucht wird – beispielsweise für eine leckere Bowl oder einen saisonalen Eintopf.

Gesundes der Saison frisch vom Wochenmarkt
Gesundes der Saison frisch vom Wochenmarkt  (c) pixabay.com

Auch aus sozialer Sicht überzeugt der Wochenmarkt, selbst – oder gerade – in Corona-Zeiten: Der gemütliche Spaziergang von Stand zu Stand, die frische Luft und die freundliche Bedienung machen auch in schweren Zeiten gute Laune. Dazu noch ein netter Plausch mit Bekannten, und der Einkauf ist perfekt. So sind Wochenmärkte nicht von ungefähr seit Beginn der Städtebildung bedeutende Dreh- und Angelpunkte für das gesellschaftliche, soziale, kulturelle und ökonomische Leben.

Das Handeln mit Waren auf Marktplätzen erlebte in Deutschland seine erste Hochphase bereits im 10. Jahrhundert. Die ersten Wochenmärkte entstanden vor allem dort, wo entsprechende geografische Bedingungen vorherrschten: Insbesondere die Kreuzungen von Handelswegen waren beliebte Stätten für die Gründung von Marktplätzen, die schnell von Wohn- und Nutzgebäuden der Handwerker und Kaufleute gesäumt wurden.

In Vogteien sorgten Beauftragte der Grundherren dafür, dass die Vergabe der Standplätze ordentlich ablief und alle Abgaben entrichtet wurden. Von zentraler Bedeutung war außerdem die Bohrung eines Marktbrunnens, um die Wasserversorgung sichern und die Last- sowie Zugtiere tränken zu können. In unmittelbarer Marktplatznähe befand sich außerdem eine Kirche oder eine Kapelle – schließlich war es zunächst nur Bischöfen und Klöstern vorbehalten, Märkte abzuhalten.

Auch Herbergen fanden nahe des Markts ihren Platz – eine Stadtstruktur entwickelte sich organisch um den Marktplatz herum. Märkte waren somit für das gesamte Umland von großer Bedeutung und ermöglichten die Versorgung aller Bürger mit Waren, die sie selbst nicht herstellen konnten.

Die steigende Wirtschaftsmacht der sich entwickelnden Städte drückte sich schließlich auch im Bau von Rathäusern aus. Gilden, Zünfte und Stadträte sorgten außerdem für die Errichtung repräsentativer Markt- und Stadtkirchen, die zur Durchführung des Marktgerichts dienten. Auch das geplante Anlegen von weiteren Marktplätzen innerhalb der wachsenden Städte etablierte sich – so entstanden die typischen viereckigen Grundrisse der heute noch erhaltenen Marktplätze.

Es wurden rund 3.000 und 10.000 Quadratmeter große Flächen bei der Stadtentwicklung für einen neuen Marktplatz ausgespart. In Hamburg wurde so beispielsweise nach der Erweiterung der Stadtbefestigung im 17. Jahrhundert neuer Raum für die Anlage von Märkten wie den Zeughausmarkt geschaffen. Im Jahr 1643 wurde auf diesem Platz ein Artilleriezeughaus errichtet, das dem Marktplatz seinen Namen verlieh.

Auch Fachmärkte bestimmte Waren entstanden – beispielsweise Holzmärkte, Märkte für Töpferwaren, Geflügel, Vieh, Fisch oder Korn. Im Gegensatz zu den großen Wochenmärkten waren sie meist täglich geöffnet. Vielerorts erinnern noch heute Straßen- und Platznamen an diese Märkte.

So geht beispielsweise der Name „Alter Fischmarkt“ auf einen Fischmarkt zurück, der 1358 südlich vom St. Marien Dom in der bischöflichen Altstadt als einer der ältesten Fischmärkte Hamburgs stattfand. Auch der Hopfenmarkt erhielt im 14. Jahrhundert seinen Namen nach seiner damaligen Funktion, dem Handel mit Hopfen. Schließlich galt Hamburg mit seinen fast 500 Brauereien damals als „Brauhaus der Hanse“.

Im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts wurden vermehrt Markthallen erbaut oder die Märkte auf umliegende Plätze verlegt. Die ursprünglichen, repräsentativen Marktplätze blieben jedoch als Orte der städtischen Selbstdarstellung erhalten und behielten ihre Bedeutung als Versammlungsplätze für das soziale Leben.

So ist es kein Wunder, dass die Wochenmärkte auch heute nichts von ihrer sozialen und kulturellen Bedeutung eingebüßt haben. In Hamburg haben sich außerdem viele verschiedene spezielle Erscheinungsformen des traditionellen Marktes etabliert: So bieten beispielsweise spezielle Öko-Märkte ökologisch zertifizierte Waren, Kleidung aus Bio-Baumwolle und leckere Bio-Snacks an.

Zu den bekanntesten Wochenmärkten in Hamburg zählen übrigens der Isenmarkt, der Wochenmarkt Wandsbek, der Altonaer Fischmarkt, der Wochenmarkt am Großneumarkt, der Wochenmarkt in Pöseldorf, der Wochenmarkt Harburg Sand und die Märkte im Stadtteil Winterhude. Einfach mal vorbeischauen – aber Maske nicht vergessen!

Foto / Quelle: Photo by brigwa on Pixabay

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