Corona-Opfer: Von 67 Zimmern des Hotels sind zehn Prozent belegt

Wenn von den 67 Zimmern eines Hotels maximal zehn Prozent belegt sind, ist das schon sehr beunruhigend, wie Nils Mehlhorn (36) darlegt. Er ist leitender Angestellter im Diehls Hotel in Koblenz-Ehrenbreitstein, Rheinsteigufer 1, das im Besitz seiner Eltern ist. Die Corona-Krise dieses Jahres, deretwegen touristisches Reisen verboten wurde, setzte auch dem seit 1919 über bereits drei Generationen im Familienbesitz befindlichen Hotel heftig zu.

Obwohl das Hotel mit Top-Rheinlage wie alle anderen Beherbergungsbetriebe auch, die ganze Zeit über Zimmer und Betten an Geschäftsleute und Handwerker vermieten durfte, war die Nachfrage verschwindend gering, und die kalkulierten Einnahmen brachen durch die Absage von Hochzeiten, Tagungen und anderen Veranstaltungen zusätzlich stark ein.

Die Stornierungen summieren sich auf mehrere 100.000 Euro! Deshalb entschloss er sich gleich zu Beginn der Krise, zwecks Kostenminimierung selber in den Service einzusteigen und auch Nachtdienste zu leisten.

Die gästearme Zeit nutzte die Hotelier-Familie, um im Haus und in einigen Zimmern kleinere Reparaturen durchzuführen und alle Zimmer zu streichen. Wie gut, dass sie dafür auf einen patenten Hausmeister und die ihn unterstützenden Auszubildenden zählen konnte. Auch ein flächendeckendes Highspeed WLAN-System wurde installiert.

Mehlhorn geht davon aus, dass vor allem Jüngere nach Corona wieder reisen werden, Technologisierung wie ein leistungsfähiges WLAN gehören hier zum Standard. Die Küche des hoteleigenen, jetzt von nur wenigen Hotelgästen genutzten Restaurants lief auf Sparflamme.

Zusätzliche Arbeit erhielt das Küchenpersonal mit der Umsetzung der Lieferbox-Idee. Hungrige Koblenzer konnten damit ein komplettes Hauptgericht zum Fertigkochen als sogenannte „Cook & Chill“-Version abholen oder liefern lassen. Vor allem die Vegane Auswahl kam bei vielen Koblenzern super an.

Vater und Sohn Mehlhorn wollen ihr Hotel sicher durch die Corona-Krise bringen.
Vater und Sohn Mehlhorn wollen ihr Hotel sicher durch die Corona-Krise bringen

Trotz der in der Krise bewiesenen Kreativität musste sich die Familie von einigen wenigen Mitarbeitern trennen, die sich noch in der Probezeit befanden. Für den Großteil der übrigen 33 fest angestellten Mitarbeiter wurde Kurzarbeit angemeldet, ein geringerer Teil baut Überstunden ab.

Kurzarbeitergeld, eine kooperative Hausbank und der vor einigen Tagen beantragte KfW-Schnellkredit sollen die von den Corona-Eindämmungsmaßnahmen verursachte finanzielle Krise abfedern. Die auf ein Jahr begrenzte Reduzierung der Mehrwertsteuer für die Speisen (nicht aber für die Getränke) im Restaurant ist wohl nicht viel mehr als eine freundliche Geste der Bundesregierung. Mehlhorn hielte es für zielgerichteter, die Dauer der Mehrwertsteuer-Senkung an die Laufzeiten der vergebenen Corona-Kredite zu koppeln.

Seit dem 13. Mai 2020, etwa acht Wochen nach dem Shutdown, dürfen unter Auflagen Restaurants im Zuge der Lockerungsmaßnahmen wieder Gäste empfangen, seit dem 18. Mai Hotels ihre Zimmer für touristisch Reisende öffnen. Glücklicherweise gibt es vom Land Rheinland-Pfalz keine Verfügung, mit der Hotels eine bestimmte Anzahl von Zimmern unbelegt lassen oder Leerzeiten zwischen zwei Belegungen einhalten müssen.

Da bei Diehls der Restaurantbetrieb stark abhängig vom Hotelbetrieb ist, entschloss sich Familie Mehlhorn, Hotel und Restaurant zusammen ab dem 20. Mai, einen Tag vor Christi Himmelfahrt, wiederzueröffnen. Und bereits einige Zeit zuvor zeichnete sich ab, dass das Geschäft langsam wieder anläuft. Endlich gibt es mehr Buchungen als Stornierungen.

Das erste offene Wochenende bringt mit festen Buchungen vierzig Prozent Auslastung, freut sich Nils Mehlhorn. Nicht mitgerechnet sind die möglicherweise hinzukommenden kurzfristigen Anfragen, die in der Regel etwa sechzig Prozent aller Buchungen ausmachen. Das qualifizierte Personal, das mit seinem Arbeitgeber durch die Krise ging, sieht dem Gästestrom voll motiviert entgegen.

Dennoch soll zumindest am Anfang noch ein wenig vorsichtig und mit mehr eigenem Einsatz gewirtschaftet werden, um die Kosten gedeckelt zu halten. In der Situation ist es von Vorteil, dass Nils Mehlhorn gelernter Koch und Restaurantfachmann ist, dass er BWL studierte und Berufserfahrung in Malaysia sammeln konnte.

Im Jahr 2011 initiierte er sehr erfolgreich die am Fuße des Hotels am Rheinufer gelegene „Cuvée – DIEHLs Lounge“, die sich zu einem beliebten Treffpunkt entwickelte, wo Feierabend und Sonnenuntergang in netter Gesellschaft genossen werden. Einige Jahre später entschied er sich, das Angebot der Eltern anzunehmen und sich auf die Übernahme des Hotels im Jahr 2020 vorzubereiten, weshalb er seit 2015 im Hotelbetrieb mitarbeitet.

Doch die Corona-Krise erfordert die Verschiebung des Hotelübergabetermins. Denn die in dem Zuge geplanten, im siebenstelligen Euro-Bereich veranschlagten Investitionen zur Modernisierung des Hauses und zur Konzeptveränderung können gerade nicht getätigt werden.

Die Pläne für die Arbeiten liegen allerdings abrufbereit in der Schublade. Vor allem den Lobbybereich will Nils Mehlhorn aufwerten, ihn zum „Herz des Hotels mit Aufenthaltsqualität“ umgestalten. Zunächst jedoch muss zwecks Einhaltung der vom Virus diktierten strengen Hygieneauflagen, die im Hotel schon vor Corona-Zeiten hoch waren, umgestaltend investiert werden.

Nils will ein Konzept etablieren, das Sicherheit mit Behaglichkeit paart. Außerdem legt er mehr Wert auf nachhaltige Investitionen, denn „Distanz, Hygiene und Mundschutz werden uns weiterhin begleiten“. So soll jetzt außer der Plexiglasscheibe an der Rezeption für die Gäste ein hochwertiges Handwaschbecken mit bereitgelegten Einmalhandschuhen im Eingangsbereich installiert werden.

Mehraufwand für seine Mitarbeiter bringt die temporäre Hygieneauflage, nach der Speisenangebote in Buffetform nicht erlaubt sind. Brot, Wurst, Eier und Co. müssen zum Frühstück nun an den Tisch gebracht werden. Die Einhaltung von Abstandsregeln hingegen sei aufgrund der Größe des hoteleigenen Restaurants problemlos zu gewährleisten.

Nils Mehlhorn ist guter Dinge, dass seine Familie das inhabergeführte Traditionshotel sicher durch die Corona-Krise bringt, obwohl die Umsatzeinbußen für dieses Jahr voraussichtlich einen siebenstelligen Euro-Betrag ausmachen. Dem entgegensteuernd werden die Preise für die Speisen leicht angehoben, die Übernachtungspreise jedoch werden wie gehabt saisonal und je nach Auslastung kalkuliert.

Dem neu beginnenden Hotel- und Restaurant-Betrieb blickt der Junior optimistisch entgegen und vertraut darauf, dass die Corona-Auflagen von den Gästen eingehalten und akzeptiert werden. Sein Mitarbeiter-Stab und seine Familie wollen gerade in dieser Zeit noch mehr dazu beitragen, den Service am Gast mit Leidenschaft zu leben.

Foto / Quelle: Barbara Senger, Freie Journalistin

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