Die Landwirtschaft steht Kopf: Vertikale Farmen und Fleisch aus dem Labor – mit Video

Die negativen Auswirkungen der Massentierhaltung und der zunehmende Platzmangel im Ackerbau gehören zu den derzeit größten Problemen der Landwirtschaft. Aufgrund des massiven Bevölkerungswachstums reichen die Flächen bald nicht mehr aus, um die Gesellschaft zu ernähren, und das Tierleid nimmt zu.

Ohne nachhaltige Lösungen steht die konventionelle Landwirtschaft bald vor dem Kollaps. Vielversprechend scheinen vertikale Farmen und Laborfleisch. Während sich Tesla-Ingenieure mit der Entwicklung senkrecht platzierter Farmen beschäftigen, verzeichnen Forscher erste Erfolge mit gezüchtetem Fleisch. Beide Innovationen haben das Potenzial zur Klimawende.

Der Bedarf an landwirtschaftlichen Produkten steigt stetig an
Der Bedarf an landwirtschaftlichen Produkten steigt stetig an

Die klassische Landwirtschaft mit hektarweise Feldern und massenweise Mastvieh befindet sich im Umbruch. Während sich die Betriebe zunehmend mit tierschutzrechtlichen Aspekten auseinandersetzen müssen, weil die Kundschaft nach tierleidfreien Produkten verlangt, erfordert der Ackerbau immer modernere und effizientere Maschinen.

Schließlich muss der massive Bedarf gedeckt werden. Finanziell eine Belastungsprobe. Investitionen von mehreren hunderttausend Euro sind bei Landmaschinen keine Seltenheit. Hinzu kommen die Herausforderungen, die mit dem Klimawandel einhergehen.

Landwirtschaftliche Dienstleistungen, wie der Onlinemarktplatz Agriaffaires, für einen vereinfachten Landmaschinenhandel sowie Vortragsreihen zu Themen wie Bodenbearbeitung, Fruchtfolge und Klimaveränderungen können Landwirten den Alltag zwar erleichtern, die Frage nach der Versorgung der Zukunft bleibt aber bestehen. Antworten deuten Indoor Farming und zelluläre Landwirtschaft an.

Indoor Farming auf dem Vormarsch
Die Nachfrage nach vertikalen Farmen steigt. Gemeint ist damit eine platzsparende Alternative zum Ackerbau. Salat, Früchte und Co. wachsen auf mehreren, vertikal angeordneten Ebenen. Das spart wertvollen Platz und erlaubt mit einem minimalen Flächenanspruch den Anbau in beengten Städten.

Um optimale Bedingungen für ergiebiges Wachstum zu schaffen, braucht es allerdings geschlossene Räumlichkeiten, künstliches Licht und Klimaanlagen. Deshalb auch die alternative Bezeichnung „Indoor Farming“.

Mal was Neues Hängende Pflanzen sparen Platz
Mal was Neues Hängende Pflanzen sparen Platz

Für Aufsehen in der Szene sorgt derzeit das Startup Plenty, das bereits über ein Dutzend Mitarbeiter des US-amerikanischen Unternehmens Tesla für sich gewinnen konnte.

Zuletzt wechselte Ingenieur Nick Kalayjian zu dem jungen Unternehmen, das die Landwirtschaft revolutionieren will. Knapp zwölf Jahre tüftelte Kalayjian an der Elektrifizierung von Autos.

Mit seinem Abschluss in Physik und seiner Erfahrung als Ingenieur dürfte er dem Startup bei der Entwicklung der hoch effizienten Farmanlagen überaus nützlich sein.

Gegenüber Forbes verdeutliche er, dass die Mission von Plenty gegenüber der der Elektrifizierung des Verkehrs „potenziell größer“ sei und fügte hinzu: „Die verbrauchte Energie, die Auswirkungen auf die Umwelt in der Landwirtschaft auf der ganzen Welt sind gewaltig.“

Eines der Ziele von Plenty besteht darin, die Farmen möglichst dort zu integrieren, wo die Endverbraucher leben, um die Transportwege auf ein Minimum zu reduzieren. Auf Pestizide und Herbizide wird verzichtet, der Wasser- und Energieverbrauch soll sich gegenüber konventioneller Landwirtschaft drastisch verringern.

Angebaut wird auf meterhohen Säulen unter Zuhilfenahme von Mikrosensorik und LEDs. Plenty hat bereits zwei Indoor-Farmen in Betrieb genommen: Eine in San Francisco, eine in Seattle. Die Preise für das dort produzierte Gemüse sind mit Bio-Erzeugnissen vergleichbar.

Auch in der Arte-Sendung zum Thema Städte der Zukunft gehen Experten im Rahmen urbaner Landwirtschaft auf vertikale Farmen ein. Darunter der Schöpfer der Idee Dickson Despommier, Professor für Mikrobiologie und Umweltgesundheit an der Columbia University New York.

Fleisch aus dem Labor für eine bessere Welt
Bis vor wenigen Jahren war es noch undenkbar, dass Fleisch eines Tages im Labor gezüchtet werden könnte. Inzwischen belehrt die Forschung eines Besseren. Wissenschaftler konnten echtes tierisches Protein in Laboren kultivieren und zu Fleisch entwickeln. Das Ergebnis ist nahezu marktauglich und nennt sich „Clean Meat“, zu Deutsch „sauberes Fleisch“.

Sauber deshalb, weil für die Züchtung keine Tiere getötet werden müssen, die Treibhausgase im Vergleich zur herkömmlichen Viehzucht und die negativen Auswirkungen auf die dritte Welt durch den exzessiven Futtermittelanbau drastisch gesenkt werden könnten. Auch auf Antibiotika, Wachstumshormone und viele andere bedenkliche Substanzen ließe sich verzichten, was den Konsum insgesamt gesünder gestalten könnte.

Startups wie Memphis Meat aus San Francisco oder Super Meat aus Israel arbeiten mit Nachdruck daran, Clean-Meat-Produkte marktreif zu machen. Will Deutschland auf internationaler Ebene mitmischen, müssen die hiesigen Unternehmen zügig umdenken. Während die USA in vielerlei Hinsicht die Nase vorn hat, mangelt es in der Bundesrepublik an Kapital.

Statt in Foodtech wird in Digital-Startups investiert. Ein riskantes Investitionsverhalten, wie auch der geschäftsführende Gesellschafter der Beratungs- und Beteiligungsgesellschaft SvL Entrepreneurial Partners Sven von Loh im Wirtschaftsmagazin Capital erklärt: „Die wachsende Weltbevölkerung wird die konventionelle Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion auf lange Sicht an ihre Grenzen bringen. Wer dann mit neuen Technologien und Lösungen, die weniger Ressourcen benötigen […], bereits am Markt ist, hat einen klaren Vorteil gegenüber Mitbewerbern.“

Bleibt abzuwarten, wann die zelluläre Landschaft tatsächlich den Weg in den Supermarkt findet und vertikale Farmen auch hierzulande urbane Zentren erobern.

Foto / Quelle: pixabay.com (Pezibear/BrightAgrotech)

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