Leben auf dem Mars besser vorher auf den Kanaren suchen

Außerirdisch schön: Der Timanfaya Nationalpark auf Lanzarote ist seit Langem eng mit der offiziellen Marsmission der NASA verknüpft. Wegen seiner landschaftlichen Ähnlichkeit mit dem roten Plantet diente der Park regelmäßig als Trainingsareal für Astronauten, die an dem prestigeträchtigen Projekt beteiligt sind. Zuletzt landete der Mars-Roboter „Perseverance“, der zuvor ebenfalls auf Lanzarote getestet wurde, erfolgreich auf dem Himmelskörper – die NASA taufte die Umgebung rund um den Landeplatz anschließend Timanfaya und würdigte damit ein weiteres Mal die besondere Bedeutung des Naturraums für die Mission.

Die Voraussetzungen, die den Timanfaya Nationalpark zum idealen Trainingsgelände für die Marsmission machen, liegen auf der Hand: Der einzigartige, vulkanische Boden, die Nähe zum europäischen Festland und der besondere Schutz, den der Park als UNESCO-Welterbe erfährt, machen das Naturwunder zum perfekten Versuchslabor für technische Gerätschaften und Astronauten gleichermaßen.

Ideale Trainingsbedingungen

Die Europäische Weltraumorganisation ESA, die eng mit der NASA zusammenarbeitet, wählte Lanzarote entsprechend als Trainingsgelände aus, da die dortigen Bedingungen jenen auf dem 54,6 Millionen Kilometer weit entfernten Mars sehr stark ähneln. „Auf dem Mars ist der Boden vulkanischen Ursprungs, genau wie auf Lanzarote.

Der Basalt ist derselbe wie auf dem roten Planeten – schon rein optisch ist die Ähnlichkeit verblüffend!“, führt Antonio Manuel Eff-Darwich, Professor für Astroseismologie an der Universität von Laguna, der auch am Kanarischen Institut für Astrophysik forscht, aus. „Im Timanfaya Nationalpark lässt sich deshalb hervorragend testen, welche Pflanzen eventuell auf dem Mars angebaut werden können und wieviel Feuchtigkeit der Boden im Sinne landwirtschaftlicher Bestrebungen aufnehmen kann. Außerdem gewinnen wir auf Lanzarote wichtige Erkenntnisse zur Bewohnbarkeit etwaiger Lava-Röhren, die es auch auf dem Mars gibt.“

Nationalpark wird Namensgeber für die Mondprovinz

„Als klar wurde, wo auf dem Mars der „Perseverance“-Rover landen würde, gaben wir dieser Region den Namen Timanfaya“, erklärt Jesús Martínez Frías vom Geosciences Insitute of Madrid, das für die Namensgebung zu Ehren der Bedeutsamkeit Lanzarotes für die Marsmission verantwortlich ist, und ergänzt: “Daraufhin übernahmen viele internationale Medien wie die BBC und zahlreiche wissenschaftliche Fachartikel den Namen.“

Generalprobe für den Mars
Generalprobe für den Mars / © ESA L. Turchi

Der Wissenschaftler ist sichtlich stolz: „500 Ingenieure aus der ganzen Welt arbeiten an der Marsmission. Ich selbst forsche seit mehr als 30 Jahren auf Lanzarote und Teneriffa und habe die Marsrouten definiert. Insofern macht es mich sehr glücklich, dass die Landezone des Rovers letztlich nach dem Timanfaya Nationalpark benannt wurde. Damit hat Lanzarote einen festen Platz auf dem roten Planteten sicher.“

Lanzarote als Perle der Planetologie

Die ESA entsendete in den vergangenen Jahren immer wieder Astronauten nach Lanzarote, um dort unter Mars-getreuen Bedingungen zu trainieren. „Mithilfe des Felsgesteins und der Mineralien auf der Insel erhalten wir einen tiefgreifenden Eindruck in die Geschichte des Mars“, erläutert Martínez Frías. Auch der spanische Wissenschaftsminister Miguel López Alegría weiß um die Wichtigkeit des Eilands für die Forschung: „Lanzarote ist ein Schatz, eine wahre Perle der Planetologie.

Die Insel besticht sowohl durch ihre Nähe zu den ESA-Zentralen in Europa als auch durch ihren besonderen Schutz als Biosphärenreservat und UNESCO-Welterbe.” Lanzarote ist nicht die einzige Kanarische Insel, auf der der Mars-Rover „Preseverance“ auf seine große Mission vorbereitet wurde. Auch im El Teide Nationalpark auf Teneriffa absolvierte das hochmoderne Vehikel etliche Testfahrten. „Aufgrund des vulkanischen Ursprungs und der Höhe am Teide erhielten wir hier Aufschluss darüber, welche Auswirkungen große Mengen an UV-Strahlung auf unser Projekt haben“, macht Antonio Manuel Eff-Darwich deutlich.

Als Tourguide auf Lanzarote begleitete Jesús Prieto Ruiz die Delegationen der ESA während ihrer Trainings auf der Insel. Als Übungsort wählten sie die Umgebung rund um den Vulkan Tinguaton, direkt neben dem Nationalpark Timanfaya, da derartige Aktivitäten im eigentlichen Naturschutzgebiet nicht gestattet sind. Außerdem zogen die Forscher passende Georouten in Caldera Blanca, Timanfaya, Tremesana und Los Ajaches für ihre Studien heran. „Es kamen Wissenschaftler aus verschiedensten Forschungsbereichen: Physiker, Molekularbiologen, Agraringenieure, Vulkanologen und natürlich die Astronauten“, erinnert sich Ruiz, und fügt an:

„Timanfaya markiert den Anfang von Leben auf der Erde, denn dank einer gewaltigen Eruption zwischen 1730 und 1736 kann hier heute das komplette Spektrum der Urzeitgeologie studiert werden. Innerhalb von sechs Jahren hat sich die Gegend damals grundlegend gewandelt, sodass sich die Region heute als geologischer Säugling bezeichnen lässt. Durch das junge Alter ist der Nationalpark im Gegensatz zu anderen vulkanischen Gebieten wie Hawaii noch nicht stark mit Vegetation überzogen. Auf Lanzarote lassen sich alle bekannten, vulkanischen Phänomene entdecken – und zwar innerhalb nur weniger Kilometer.“

Foto / Quelle: combocom.de

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