Wieso lebt man in der Schweiz besser als in Deutschland?

Die Schweiz gilt als beliebtestes Auswanderziel bei Deutschen. Auch während der Corona-Pandemie zog es viele ins Nachbarland, um von hohen Löhnen und vergleichsweise niedrigen Steuern zu profitieren. Die letzten Zahlen des „Statistischen Bundesamtes“ (Destatis), die es anlässlich des Europatages am 9. Mai 2021 mitteilte, sprechen eine eindeutige Sprache:

Zu Beginn des Jahres 2020, also noch vor der Corona(virus)-Krise, waren 307.000 deutsche StaatsbürgerInnen in der Schweiz wohnhaft. Trotz Corona hat es danach weitere Menschen von Deutschland in die Schweiz gezogen, weiß Franziska Junghans vom Portal vergleichscheck.ch zu berichten.

Kein „Boom“, dafür stetiges Wachstum

Trotz Unsicherheiten und Reisebeschränkungen haben auch in den vergangenen beiden Jahren viele Deutsche ihre sieben Sachen gepackt, um ihre Lager im oft als Lohn- und Steueroase verrufenen Nachbarland aufzuschlagen. Franziska Junghans: „Wir beraten Personen, die sich neu in der Schweiz niederlassen wollen, zum Thema Altersvorsorge, Versicherung(en) und Finanzen im Allgemeinen.

Und an Anfragen mangelt es trotz zahlreicher pandemiebedingter Unwägbarkeiten nicht.“ Zu den Gründen weiß die 34-jährige Geschäftsfrau, die 2009 selber von Deutschland in die Schweiz auswanderte, zu berichten: „Es ist ganz einfach das nach wie vor hohe Lohnniveau mit den vergleichsweise niedrigen Steuern.

Trotz Pflichtabgaben zur staatlichen Alters- und Hinterlassenenvorsorge, auch für Selbstständige, lässt es sich in der Schweiz vielerorts deutlich besser leben als in Deutschland. Es bleibt auch mehr für private Rücklagen“. Sicherlich spiele auch die Tatsache, dass Auswanderer nicht zwingend eine neue Sprache lernen müssen, eine nicht unwesentliche Rolle bei der Entscheidung, in die Schweiz zu ziehen, verdeutlicht die Expertin.

Matterhorn Schweiz
Die Schweiz ist das beliebteste Auswanderland für die Deutschen / © vergleichscheck.ch

Jobsituation in Deutschland befeuert „Auswanderlust“

Die 34-jährige sieht ferner die in vielen Berufen in Deutschland prekäre Situation während und nach der Pandemie als Grund für viele Auswanderer, den oft schon länger geplanten Schritt jetzt endlich zu gehen. „In der Schweiz werden IT-ExpertInnen, Pflegekräfte ebenso wie MitarbeiterInnen in der Gastronomie händeringend gesucht.

Selbst wenn man in genau diesen Branchen in Deutschland „hingeschmissen“ hat und auch in der Schweiz nicht im Hotel oder der Pflege anheuern möchte, würden viele in der Schweiz einen Neuanfang starten wollen – teilweise in einem ganz anderen beruflichen Umfeld“, berichtet die Versicherungsexpertin. Die Portalbetreiberin weiter: „Wir bekommen die Infos ja eins zu eins von denen, die uns wegen dem Wechsel der Krankenversicherung kontaktieren oder sich um die Altersrücklagen sorgen.“

Die Eckdaten: Hohes Lohnniveau und niedrige Steuern

Der durchschnittliche Lohn (das Mediangehalt) liegt in der Schweiz bei 6.502 CHF brutto im Monat. Der durchschnittliche Nettolohn beträgt 4.917 CHF – das sind rund 4.738 Euro. Der Spitzensteuersatz liegt bei 11,5 % – ab einem Einkommen von 843’000 CHF für Verheiratete. Hinzu kommen Pflichtabgaben für die staatliche Alters- und Hinterlassenenvorsorge (AHV) in Höhe von 10,55 % für Angestellte, die sich ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen zu jeweils 50 % teilen.

Auch die Pensionskasse ist für Angestellte ab einem Jahreslohn von 21’330 Franken „obligatorisch“, also verpflichtend. Selbstständigerwerbende können sich freiwillig versichern, zahlen aber in jedem Fall 10,1 % ihres Einkommens als AHV-Beiträge. Wer sich dauerhaft (länger als 6 Monate) in der Schweiz niederlässt , muss, um eine Aufenthaltsbewilligung zu erhalten, nicht nur einen festen Job oder ausreichende finanzielle Mittel, sondern außerdem eine Krankenversicherung (mindestens „Grundversicherung“) bei einer Schweizer Versicherungsgesellschaft nachweisen.

Die Krankenkassenbeiträge (Prämien) sind pro Kopf zu zahlen, eine Familienversicherung gibt es (anders als in Deutschland) nicht. Dafür werden die Beiträge in der Schweizer Grundversicherung unabhängig vom Einkommen erhoben – ähnlich also wie in der privaten Krankenversicherung in Deutschland. Der bereits in Deutschland erlangte Rentenanspruch bleibt erhalten.

Durch die AHV-Pflicht erhalten Auswanderer auch in der Schweiz irgendwann eine Rente bzw. Leistungen bei Invalidität. Diese sind jedoch im Verhältnis zu den Lebenshaltungskosten so gering, dass man ohne eine private Altersvorsorge (3. Säule des Schweizer Vorsorgesystems) kaum seinen Lebensstandard wird halten können.

Fotos / Quelle: vergleichscheck.ch

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