Mit den ersten milden Tagen beginnt für viele Oldtimer-Besitzer die schönste Zeit des Jahres: Die PS-Klassiker werden aus dem Winterschlaf geholt und zurück auf die Straße gebracht. Aktuell sind bundesweit über 800.000 historische Fahrzeuge zugelassen1 und die Leidenschaft für besondere Fahrzeuge ist ungebrochen.
Doch automobile Kulturgüter verlangen Erfahrung und besondere Pflege, denn wer Motor, Reifen, Bremsen, Batterie und Flüssigkeiten vor der ersten Ausfahrt richtig prüft, schützt nicht nur den Wert seines Fahrzeugs, sondern auch die eigene Sicherheit. Worauf es beim Auswintern ankommt, erklärt Olaf Bornhöft, Serviceleiter bei David Finest Sports Cars aus Hamburg.
Der Experte für Porsche und Co. zeigt, wie Oldtimer Schritt für Schritt fit für die Saison werden. Worauf kommt es konkret an, bevor der Klassiker wieder auf die Straße darf? „Ein Oldtimer ist kein gewöhnliches Fahrzeug, sondern technisches Kulturgut, das eine besondere Zuwendung verlangt – erst recht nach einer mehrmonatigen Standzeit“, erklärt Olaf Bornhöft, Serviceleiter bei David Finest Sports Cars.
Mit über 25 Jahren Erfahrung in der Betreuung von Sportwagen-Klassikern weiß er: „Wer hier überhastet den Zündschlüssel dreht, riskiert nicht nur Standschäden, sondern mindert langfristig den Wert seines Fahrzeugs. Exzellenz beginnt bei der Vorbereitung.“ Die wichtigsten Schritte für einen sicheren und werterhaltenden Saisonstart im Überblick:
1. Das visuelle Audit und die sanfte Reinigung
Der erste Schritt führt einmal rund um das Fahrzeug. Nach dem Entfernen der Staubschutzhülle gilt der Blick möglichen Leckagen. Trockene Flecken unter dem Wagen sind das Ziel, Feuchtigkeit an den Achsen oder unter dem Motorblock deutet auf spröde Dichtungen hin. Besonders bei Modellen mit „Matching Numbers“ ist die Früherkennung von Undichtigkeiten essenziell, um Folgeschäden am Originalaggregat zu vermeiden.
Bei der Reinigung gilt: Ein Oldtimer gehört niemals in eine Waschanlage. Die mechanische Belastung durch Bürsten ist für historische Lacke und Chromapplikationen zu hoch. Eine schonende Handwäsche mit lauwarmem Wasser und hochwertigen Autoshampoos ist die einzige Wahl. „Vergessen Sie nicht die Pflege der Gummidichtungen und Ledersitze. Das Material verliert über den Winter an Geschmeidigkeit und neigt zur Rissbildung, wenn es nicht rechtzeitig mit speziellen Emulsionen genährt wird“, so Bornhöft.

Historischer Porsche in der Werkstatt / © davidsportscars.de
2. Der Technik-Check unter der Haube
Bevor der Motor gestartet wird, ist ein Blick auf die Flüssigkeitshygiene obligatorisch. Motoröl, Kühlwasser und Bremsflüssigkeit müssen auf dem korrekten Stand sein. Nach langer Standzeit ist zudem eine Sichtprüfung der Schläuche und Kabel ratsam. Marderbissschäden oder schlicht porös gewordene Kraftstoffleitungen sind ein Sicherheitsrisiko. Wer einen luftgekühlten Klassiker fährt, sollte besonders auf die Sauberkeit der Kühlrippen achten, um Hitzestaus bei der ersten Ausfahrt zu vermeiden.
3. Das Fundament: Reifen und Fahrwerk
Über den Winter wurde der Reifendruck idealerweise erhöht, um Standplatten zu vermeiden. Dieser muss nun wieder auf den modellspezifischen Wert korrigiert werden – in der Regel liegt dieser zwischen 1,5 und 2,5 bar. Bornhöft warnt: „Prüfen Sie nicht nur das Profil, sondern auch das Alter. Ein Reifen, der älter als sechs Jahre ist, verhärtet und verliert dramatisch an Grip, selbst wenn er optisch noch gut aussieht.“
4. Energiemanagement: Die Batterie
Wurde die Batterie über den Winter an einem Erhaltungsladegerät gepflegt, ist sie meist sofort einsatzbereit. Beim Wiedereinbau ist die Reihenfolge entscheidend: Zuerst wird der Pluspol, dann der Minuspol angeschlossen, um Kurzschlüsse zu vermeiden. Eine kurze Messung der Spannung (Sollwert zwischen 12 und 13 Volt) gibt Sicherheit über den Zustand des Stromspeichers.
5. Der Funktionstest der Bremsanlage
Flugrost auf den Bremsscheiben ist nach dem Winterschlaf normal. Dennoch sollte die erste Fahrt mit vorsichtigen Bremsmanövern auf freier Strecke beginnen. „Der Bremsdruck muss sich erst wieder stabil aufbauen. Ein paar behutsame Bremsungen reinigen die Reibflächen und stellen die volle Verzögerungsleistung sicher“, erklärt der Serviceleiter.
6. Moment der Wahrheit: Der Motorstart
Hierbei gilt: Haben Sie Geduld. Nach einer langen Pause braucht das Kraftstoffsystem Zeit, um den nötigen Druck aufzubauen. Es ist völlig normal, wenn ein älteres Triebwerk erst beim zweiten oder dritten Versuch erwacht. Sobald der Motor läuft, sollte er im Stand kurz beobachtet werden. Laufen alle Zylinder? Gibt es untypische Geräusche? Das Warmfahren sollte anschließend besonders behutsam erfolgen, damit sich alle mechanischen Komponenten gleichmäßig ausdehnen können.
„Unser Ziel bei David Finest Sports Cars ist es, dass jeder Enthusiast die Faszination seines Wagens ab dem ersten Kilometer sorgenfrei genießen kann“, fasst Olaf Bornhöft zusammen. „Ein gründlicher Check-up in der Werkstatt vor Saisonbeginn ist für viele Sammler zudem eine wichtige Maßnahme zur Dokumentation des tadellosen Zustands.“
Quelle / Fotos: davidsportscars.de







