Was tun bei Alterserscheinungen bei Liebhaber- und Oldtimermotoren?

Ob als jahrelanger Begleiter, Erbstück, aus Nostalgieempfinden oder Sammlerstolz – oft ist das Auto nicht nur Gebrauchsgegenstand, sondern Herzensangelegenheit. Besonders Sammlerstücke und Oldtimer werden häufig liebevoll gepflegt. So ziehen sie als Hingucker viele bewundernde Blicke auf sich oder dienen gar als Wertanlage.

Doch die Zeit nagt auch am Motor. Georg Barton, Geschäftsführer der ATM Tornau Motoren GmbH, stellt vor, welche Alterserscheinungen bei Liebhaber- und Oldtimermotoren auftreten und welche Optionen bestehen, ihnen wieder neues Leben einzuhauchen.

Patina ist der neue Trend – doch nicht beim Motor

Zwar gehört es unter dem Begriff Patina zum neuen Trend, wenn man dem Oldtimer die Spuren seines langen Lebens deutlich ansieht. Doch was zum äußerlichen Charm beiträgt, kann für den Motor das entscheidende Aus bedeuten. Bevor es mit dem Oldtimer auf die Straße geht, sollte zunächst überprüft werden, ob der Motor über die Zeit Schaden genommen hat.

Neben korrodierten Stellen gilt es auch auf Flüssigkeitsverluste zu achten, die durch Undichtigkeiten oder Lecks an Schläuchen, Dichtungen oder anderen Bauteilen auftreten. Bei einem Verlust von Kühlmittel ist eine effektive Motorkühlung nicht mehr gewährleistet, sodass der Motor beim Fahren überhitzt und nachhaltig Schaden nimmt.

Ist nicht mehr genügend Öl vorhanden, werden die beweglichen Bauteile im Motor nicht mehr ausreichend geschmiert. „Ohne Schmierung schleifen die Metallteile im Motor direkt aufeinander und es kommt zu Materialschäden, Brüchen oder Überhitzung“, mahnt Barton.

Poröse und rissige Riemen

Bei alten Motoren sind die Treibriemen häufig ein Problem. Zahnriemen und Keilriemen werden mit der Zeit rissig und porös und drohen zu reißen. Starke Hitze, Trockenheit und Nichtgebrauch lassen sie noch schneller altern. Daher sollten sie in regelmäßigen Abständen ausgewechselt werden – abhängig von Alter, Fahrzeug und Kilometerleistung.

Reißt der Zahnriemen, kann er nicht mehr dafür sorgen, dass sich die Ventile im Motor im richtigen Moment öffnen und schließen. Werden sie nicht mehr rechtzeitig geschlossen, treffen sie mit voller Wucht auf die hochschnellenden Kolben. Dies führt zu Beschädigungen an Kolben, Ventilen, Zylinderköpfen und anderen Komponenten und schlimmstenfalls zu einem kapitalen Motorschaden.

Traumwagen älterer Tage
Ein Traumwagen älterer Tage verlangt viel Pflege / © pixabay.com – NoName_13

Der Motor läuft nicht mehr, da die Verbindung zwischen den einzelnen, miteinander agierenden Komponenten fehlt. Wenn es unter der Motorhaube quietscht, ist ein rutschender Keilriemen die Ursache. Er sitzt mit zunehmendem Alter nicht mehr richtig. Kommt es zu einem Riss, kann der Keilriemen wichtige Nebenaggregate wie die Lichtmaschine, die Servolenkung, den Klimakompressor und die Wasserpumpe nicht mehr antreiben.

Die Autobatterie wird nicht mehr geladen, elektrische Systeme, Heizung, Klimaanalage und Servolenkung fallen aus. „Ohne den Antrieb der Wasserpumpe kann die Kühlflüssigkeit nicht mehr im Motor zirkulieren, was schnell zu einer Überhitzung führt. Durch die Hitze verziehen sich die Zylinderköpfe, die Kolben und Kopfdichtungen nehmen Schaden und sogar der Motorblock verformt sich. Dies führt mitunter bis zum Motortod“, warnt Barton.

Erhöhter Ölverbrauch

„Ein weiteres typisches Problem bei alten Motoren stellt der erhöhte Ölverbrauch dar. Das ist ein Indikator dafür, dass der Motor langsam an seine Verschleißgrenze kommt“, erläutert Barton. Zu den Hauptursachen gehören verschlissene Kolbenringe, aber auch spröde und damit undicht gewordene Ventilschaft- und Zylinderkopfdichtungen. Dadurch gelangt zu viel Öl an den Dichtungen vorbei in den Brennraum. „Hier ist es wichtig, rechtzeitig zu reagieren.

Ein frühzeitiger Austausch von verschlissenen Kolbenringen bewirkt noch einmal eine deutliche Lebensverlängerung für den Motor“, erklärt Barton. Verpassen Autobesitzer diesen Zeitpunkt jedoch und fahren mit einem zu hohen Ölverbrauch weiter, kommt es zur Versottung. Dabei wird zu viel Öl verbrannt, was dazu führt, dass sich Rückstände auslassseitig im Abgasstrang ansammeln und ihn verstopfen. Ähnlich wie Schlamm schmieren diese Ablagerungen den Auspuff nach und nach zu, was einen Rückstau im Abgassystem verursacht.

Um die Abgase abzuführen, muss der Motor ständig gegen den verstopften Auspuff andrücken. „Wenn der Motor das Herz des Autos darstellt, kann man sich diesen Prozess wie eine Verkalkung der Arterien vorstellen. Das Herz arbeitet quasi ständig im Überlastbereich und irgendwann kommt es zum Infarkt“, beschreibt der Experte.

Dann hat der Motor bereits enormen Schaden genommen. Fahren mit zu hohem Ölverbrauch führt außerdem langfristig dazu, dass irgendwann nicht mehr genügend Öl vorhanden ist, um sämtliche Metallteile im Motor ausreichend zu schmieren. Dann kommt es zum oben beschriebenen Aufeinanderschleifen und den daraus resultierenden Motorschäden. Regelmäßige Kontrollen des Ölstands und Ölwechselintervalle beugen dem vor.

Die Suche nach Ersatzteilen

Bei jedem Oldtimer oder Klassiker sind irgendwann Ersatzteile nötig. Im Idealfall greifen Besitzer dabei auf Originalteile zurück, um die Originalsubstanz des Fahrzeugs weitestgehend zu erhalten und eine gute Qualität und Passgenauigkeit zu haben. Doch die Ersatzteillage wird zunehmend schlechter: lange Lieferzeiten, gefälschte, billige Nachbauten oder vergriffene Teile zählen zu den Ursachen. Georg Barton kennt die Schwierigkeiten, mit denen Liebhaber bei der Suche nach Verschleißteilen oder ganzen Motoren zu kämpfen haben.

Der Experte betont: Bevor ein ganz neuer Motor gekauft werden muss, lassen sich auch gebrauchte Motoren von H-Fahrzeugen wieder gut instand setzen oder durch Austauschmotoren ersetzen. „Wir haben bei ATM einen Bestand an über 2.500 Motoren und über 20.000 Motorteile und Komponenten. So können wir viele Motorteile als Originale liefern oder sogar ganze Motoren ersetzen.“

Sei es für Alltagsklassiker oder bewährte Liebhabermodelle – oft hat Barton mit seinem Team den passenden Motor auf Lager und muss ihn nur aufbereiten. „Nach und nach haben wir uns einen großen Bestand an gebrauchten Teilen und Altteilen aufgebaut, die von uns zur Wiederverwendung sorgfältig aufbereitet werden. Dadurch sind wir in der Lage, flexibel auf individuelle Kundenwünsche einzugehen und auch bei Spezialanfragen und Sonderwünschen zuverlässiger Ansprechpartner zu sein“, berichtet Barton.

Quelle / Fotos: tornau-motoren.de / © pixabay.com

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