Reisetrend Kurztrip: Kleine Auszeiten stark gefragt

Kurzreisen sind dank attraktiver Angebote erschwinglich. Neben Zielen im Ausland erfreut sich die Heimat bei Deutschen zunehmender Beliebtheit. Laut Befragung eines Reiseportals unter 3.000 Nutzern planen 70 Prozent mindestens einen Kurzurlaub von unter sieben Tagen in der Bundesrepublik. Auch Hamburg wappnet sich, um auf die steigende Nachfrage vorbereitet zu sein. Für 2019 sind über 2.000 neue Zimmer in Arbeit.

Touristen planen mehr Kurztrips – Hamburg setzt auf Kulturangebot
Vor zwei bis drei Jahrzehnten spielten Kurzreisen eine untergeordnete Rolle. Damals wurde einmal jährlich für knapp drei Wochen Urlaub gemacht. Der Rest des Jahres wurde gearbeitet beziehungsweise zuhause verbracht. Heute ist das anders. Der Haupturlaub hat sich auf knapp zwei Wochen reduziert, hinzugekommen sind mehrere Kurztrips.

Mit einer Befragung hat die HolidayPirates Group, dazu gehören die Portale urlaubspiraten.de, urlaubspiraten.at und ferienpiraten.ch, die Reisegewohnheiten von 3.000 Nutzern analysiert.

Wie das Handelsblatt in einem Artikel über die Reisetrends der Deutschen erklärt, planen 41 Prozent der von HolidayPirates Befragten 2019 drei oder gar mehr Kurztrips und veranschlagen dafür „bis zu 30 Prozent des kompletten Reisebudgets.“ 70 Prozent der Befragten möchten mindestens einen Kurzurlaub in Deutschland verbringen. Wie viele davon letztlich in Hamburg landen, bleibt abzuwarten.

Ständig steigende Zahlen der HHer Tourismusbranche
Ständig steigende Zahlen der HHer Tourismusbranche (c) pixabay

Fest steht, dass die Hansestadt für viele Deutsche ein interessantes Reiseziel darstellt und bislang nicht vom sogenannten Overtourism betroffen ist. Der Fachjargon meint damit Ziele, die von Touristen überlaufen sind und aufgrund dessen unter Konflikten zwischen Besuchern und Reisenden leiden.

Ein Thema, das unter anderem Mallorca betrifft. Aber auch Metropolen wie Venedig, Amsterdam oder Barcelona sind stark besucht und werden wegen des immensen Andrangs von vielen Urlaubern bewusst gemieden. Torsten Sevecke (SPD), seit Februar 2019 als Staatsrat der Wirtschaftsbehörde für den Tourismus verantwortlich, sieht die Situation in Hamburg gelassen. „Natürlich gibt es Touristen-Hotspots wie den Hafen, aber auch dort ist genügend Platz für alle“, so sein Kommentar im Interview gegenüber dem Hamburger Abendblatt.

Auf die Frage, welche Zielgruppe Hamburg künftig stärker ansprechen müsse, verweist Sevecke auf die Bedeutung des Kulturtourismus und betont, dass dieser weiter ausgebaut werden müsse. Die weltweite Aufmerksamkeit, die Hamburg durch die Elbphilharmonie genießt und das damit verbundene Potenzial müsse genutzt werden. Es brauche mehr Kulturveranstaltungen auf hohem Niveau wie Theaterstücke, Ausstellungen oder Musik-Events.

„Wobei wir übrigens die Erfahrung machen, dass auch der Musicalbesucher gerne in die Museen oder zu John Neumeier ins Ballett geht“, fügt Sevecke hinzu und macht damit auf den nicht zu unterschätzenden Musicaltourismus der Hansestadt aufmerksam. Produzent Stage Entertainment lockt derzeit mit neuen Titeln wie „Cirque du Soleil Paramour“ und „Tina – das Tina Turner Musical“ (wir berichteten) in die Musical-Metropole. Auch Urgesteine der Szene gelten als Publikumsmagnete und bescheren dem Stage Theater ungeahnte Erfolge.

Allein „Der König der Löwen“ begeisterte in Hamburg über zwölf Millionen Menschen. „Für die außergewöhnliche, faszinierende Produktion gab es sechs Tony Awards, unter anderem für das Beste Musical und das Beste Bühnenbild“, erklärt das Onlineportal Musical1 auf einer Informationsseite zu Disneys König der Löwen.

Es macht Interessenten auf günstige Ticketshops und attraktive Hotelangebote aufmerksam. Ein Service, den viele Touristen dankend annehmen, schließlich wird der Besuch eines solchen Musicals häufig mit Kurztrips verbunden. Dass ein mehrtägiger Trip durch Hamburg bezahlbar und vielfältig ist, verdeutlicht die Sendung WDR Reisen. Reporterin Tamina Kallert war zwei Tage in der Hansestadt unterwegs und musste mit 300 Euro auskommen:

Heimische Hotellerie investiert über 100 Millionen
Der Druck auf die etablierte Hotelbranche Hamburgs steigt. Neue Hotels schaffen zusätzlich Konkurrenz, was nicht alle traditionellen Häuser freuen dürfte, Reisende aber zusätzliche Zimmer beschert. Unter anderem entsteht im Gebäude der ehemaligen Oberfinanzdirektion am Rödingsmarkt das Luxushotel Fraser Suites, das internationale Gäste als Zielgruppe anstrebt. Um mitzuhalten, fließen laut Informationen des Hamburger Abendblatt derzeit über 100 Millionen Euro in die Modernisierung etablierter Hotels. Darunter:
• Luxushotels Atlantic
• Lé Meridien
• Grand Elysée
• Steigenberger Hotels
• Radisson Blu
• Gastwerk in Bahrenfeld

Eine groß angelegte Umgestaltung vollzieht sich im Crowne Plaza unweit der Außenalster. Ziel ist die Verwandlung zum Lifestylehotel und Flagship-Haus Europas der Hotelkette, die an weltweit 429 Standorten vertreten ist. Das Unternehmen investiert etwa 12,5 Millionen Euro. Im September 2019 sollen die Räumlichkeiten in neuem Glanz erstrahlen. Zur Zielgruppe gehören Touristen mit Designvorliebe.

An der Heiligengeistbrücke fließen etwa 50 Millionen Euro in den Umbau des Steigenberger Hotels. Nach den Baumaßnahmen dürfen sich Gäste unter anderem über eine Bar auf dem Gebäudedach freuen. Dieses Extra scheint generell sehr gefragt. Auch das Grand Elysée präsentiert ab Mai eine neue Dachterrasse und das Lé Meridien eröffnet im Sommer eine Bar mit Außenbereich sowie Ausblick auf die Außenalster. Über 2.000 Zimmer will Hamburgs Hotelbranche am Ende des Jahres zusätzlich bereitstellen.

Kurztrips auf dem Wasser: Auch Kreuzfahrten liegen im Trend
Nicht nur Städtereisen sind in Bezug auf kurze Auszeiten populär. Dank Minirouten finden Touristen auf Kreuzfahrtschiffen gleichermaßen Erholung für wenige Tage. Kleine Fahrten wirken auch auf Neulinge anziehend, um die Art des Reisens auf dem Schiff auszuprobieren. Einige Angebote sind bereits für unter 200 Euro pro Person verfügbar.

Die individuellen Preise sind von Reiseziel, Reisezeit und Reederei abhängig. Eine typische Kurzroute startet in Hamburg und führt nach Southampton an der Südküste von England. Aber auch entferntere Ziele wie Miami sind mit straffen Zeitplänen denkbar.

Steigende Zahlen verzeichnet außerdem der Fluss-Kreuzfahrtmarkt. Wie der Deutsche Reiseverband e. V. (DRV) in einer Presseerklärung mitteilt, legte die Nachfrage um 5,5 Prozent zu. Demnach unternahmen 2018 trotz Dauer-Niedrigwasser knapp 500.000 Menschen eine Flusskreuzfahrt. 2017 lag das Passagieraufkommen bei rund 470.000.

Fotos: Bild (c) Andi_Graf / pixabay.com

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