So nutzen Unternehmen KI heute: Insights aus dem Vention-Research

Künstliche Intelligenz hat den Status eines Zukunftsthemas längst hinter sich gelassen. In vielen Unternehmen gehört sie inzwischen zum operativen Alltag – allerdings mit sehr unterschiedlichen Zielsetzungen und Reifegraden. Wie genau Unternehmen KI heute einsetzen, welche Erwartungen sie damit verbinden und wo weiterhin Vorbehalte bestehen, zeigt eine aktuelle internationale Studie von Vention.

Für das Research hat Vention – Anbieter für individuelle Softwareentwicklung mit 20+ Jahren Erfahrung – 480 qualifizierte Entscheiderinnen und Entscheider aus Unternehmen befragt, darunter 160 aus der DACH-Region. Alle Teilnehmenden standen vor der konkreten Entscheidung, innerhalb der kommenden zwölf Monate Software-Dienstleister zu beauftragen. Die Ergebnisse liefern einen realistischen Einblick in den aktuellen Stand der KI-Adoption – jenseits von Visionen und Marketingversprechen.

KI nutzen ist unerlässlich

Die Zukunft ist schon da – KI nutzen ist unerlässlich / (c) pexels.com

KI-Adoption im DACH-Raum: Fokus auf Effizienz statt Innovation

Ein zentrales Ergebnis des Vention-Research betrifft die unterschiedliche Gewichtung von KI-Anwendungsfällen in verschiedenen Regionen. Während Unternehmen in den USA und Großbritannien stärker auf KI-gestützte Produktfunktionen setzen, zeigt sich im DACH-Raum ein anderes Bild.

Hier liegt der Schwerpunkt klar auf internen Prozessen und organisatorischer Effizienz. 45 Prozent der befragten Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nutzen KI bereits für interne Abläufe, etwa zur Automatisierung administrativer Aufgaben oder zur Unterstützung von Analyse- und Entscheidungsprozessen. Weitere 44 Prozent investieren gezielt in Schulungen und Upskilling ihrer Teams im Umgang mit KI-Technologien.

Deutlich zurückhaltender zeigt sich die Region bei tiefgehender technischer Integration. Nur 27 Prozent der DACH-Unternehmen geben an, eigene KI- oder Machine-Learning-Modelle einzusetzen. Auch der Einsatz externer KI-APIs oder Tools erfolgt vorsichtiger als im angloamerikanischen Raum. Die Ergebnisse deuten auf eine pragmatische Phase der KI-Adoption hin, in der Stabilität und Kontrolle höher gewichtet werden als experimentelle Innovation.

KI in der Softwareentwicklung ist bereits Standard

Unabhängig von regionalen Unterschieden zeigt die Studie einen klaren Trend: KI ist in der Softwareentwicklung angekommen. 78 Prozent aller Befragten nutzen KI bereits aktiv in der eigenen Produkt- oder Softwareentwicklung. Dazu zählen unter anderem automatisierte Code-Generierung, Unterstützung bei Tests oder intelligente Analyse von Fehlern.

Im direkten Vergleich liegt die DACH-Region zwar leicht hinter den USA und Großbritannien, wenn es um eigenständige KI-Implementierungen geht. Gleichzeitig zeigt sich, dass KI in der DACH-Region vergleichsweise häufig über externe Anbieter eingesetzt wird, wobei sie in diesem Bereich auf dem zweiten Platz liegt. Besonders auffällig ist dabei die Offenheit gegenüber einer Ausweitung des KI-Einsatzes in den kommenden Jahren.

Für viele Unternehmen spielt bei der Auswahl eines Dienstleisters nicht nur technisches Know-how eine Rolle. Laut Vention-Research ist die Aussicht auf eine langfristige, strategische Partnerschaft eines der wichtigsten Kriterien für Entscheiderinnen und Entscheider im DACH-Raum. KI wird damit nicht isoliert betrachtet, sondern als Bestandteil einer nachhaltigen Entwicklungsstrategie.

Wachsende Erwartungen – aber auch klare Vorbehalte

Trotz der breiten Nutzung bleibt der KI-Einsatz in Unternehmen nicht frei von Bedenken. Die größte Hürde, die laut Studie dazu führen kann, dass Unternehmen den Einsatz von KI einschränken oder verzögern, betrifft Code-Qualität und Sicherheit. Gerade im DACH-Raum ist diese Sorge stärker ausgeprägt als in den Vergleichsregionen.

Hinzu kommen ethische und rechtliche Fragestellungen, etwa im Umgang mit sensiblen Daten oder bei der Nachvollziehbarkeit von KI-gestützten Entscheidungen. Auch ein Mangel an internem Know-how wird häufig genannt. Viele Unternehmen sehen sich zwar in der Lage, KI-Tools zu nutzen, verfügen jedoch nicht über ausreichend Fachkräfte, um komplexere Anwendungen eigenständig zu betreiben oder weiterzuentwickeln.

Diese Zurückhaltung erklärt zum Teil, warum Unternehmen in der Region verstärkt auf externe Partner setzen, anstatt vollständig eigene KI-Strukturen aufzubauen.

Vom Hype zur Praxis: Wie sich KI-Erwartungen verändern

Ein besonders interessanter Aspekt dem Vention-Research ist der Vergleich der Erwartungen an KI im Zeitverlauf. Gegenüber dem Vorjahr haben sich die Erwartungen deutlich verschoben. Während 2024 noch visionäre Szenarien dominierten, stehen 2025 und 2026 klar im Zeichen praktischer Anwendungsfälle.

An erster Stelle nennen Unternehmen eine schnellere Code-Generierung. Darauf folgen die Automatisierung wiederkehrender Aufgaben sowie der Einsatz von KI bei Code-Reviews und der Fehlerbehebung. Diese Priorisierung zeigt sich regionenübergreifend und deutet auf eine zunehmende Reife im Umgang mit KI hin. Entwicklerinnen und Entwickler integrieren KI-Werkzeuge tiefer in ihren Arbeitsalltag, statt sie als experimentelle Zusatzlösung zu betrachten.

Im DACH-Raum bleibt zudem Cybersicherheit ein zentrales Thema. Hier rangiert der Einsatz von KI zur Erkennung von Sicherheitsrisiken und zur Absicherung von Systemen auf Platz drei der erwarteten Nutzenfelder. Die Kombination aus Effizienzsteigerung und Risikominimierung prägt den aktuellen KI-Einsatz in Unternehmen deutlich.

KI als Effizienzwerkzeug – nicht als Innovationsmotor

Die Studie zeigt auch, wie Unternehmen den strategischen Nutzen von KI bewerten. Auf die Frage nach dem wichtigsten Vorteil von KI für das eigene Geschäft nannten 51 Prozent der Befragten eine Effizienzsteigerung. Weitere 20 Prozent sehen den Hauptnutzen in der Automatisierung repetitiver Aufgaben.

Innovative Produktideen oder neue Geschäftsmodelle spielen dagegen eine untergeordnete Rolle. KI wird aktuell vor allem als Mittel zur Zeitersparnis, Produktivitätssteigerung und Kostenreduktion verstanden. Diese nüchterne Sichtweise unterstreicht, dass sich viele Unternehmen noch in einer frühen, pragmatischen Phase der KI-Adoption befinden.

Gerade im DACH-Raum zeigt sich ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Verlässlichkeit und planbarem Mehrwert – ein Faktor, der auch die Auswahl von Technologiepartnern beeinflusst.

Wie Unternehmen KI sinnvoll einsetzen können

Die Auswertung der aktuellen KI-Nutzung in Unternehmen zeigt ein deutliches Muster: Der Mehrwert von Künstlicher Intelligenz entsteht vor allem dort, wo sie pragmatisch und zielgerichtet eingesetzt wird. Statt auf visionäre Experimente konzentrieren sich viele Unternehmen auf Effizienz, Qualität und Automatisierung bestehender Prozesse. Aus diesen Beobachtungen lassen sich konkrete Handlungsempfehlungen ableiten, die den Einstieg und die Weiterentwicklung von KI-Anwendungen erleichtern können:

  1. Klare Anwendungsfälle definieren: KI entfaltet ihren Nutzen, insbesondere bei klar umrissenen Aufgaben mit messbaren Zielen, etwa bei der Automatisierung wiederkehrender Tätigkeiten oder der Unterstützung von Entwicklungs- und Testprozessen.
  2. Mit internen Prozessen beginnen: Der Einsatz von KI in internen Abläufen ermöglicht schnelle Lernkurven bei geringem Risiko und schafft eine belastbare Grundlage für weiterführende Anwendungen.
  3. Qualität und Sicherheit früh berücksichtigen: Anforderungen an Code-Qualität, Datensicherheit und Compliance sollten von Beginn an festgelegt werden, um spätere Anpassungen zu vermeiden.
  4. Wissen im Team aufbauen: Investitionen in Schulung und Upskilling erhöhen die Akzeptanz von KI-Lösungen und verbessern deren praktische Nutzung im Arbeitsalltag.
  5. Schrittweise ausbauen: Ein iteratives Vorgehen mit klaren Feedbackschleifen unterstützt eine kontrollierte Skalierung und reduziert Fehlentwicklungen.

Unternehmen, die diese Prinzipien berücksichtigen, schaffen die besten Voraussetzungen für einen KI-Einsatz, der langfristig tragfähig ist und sich flexibel an veränderte Anforderungen anpassen lässt.

Ausblick: KI-Trends 2025 bis 2026

Das Vention-Research macht deutlich, dass die KI-Adoption in den kommenden Jahren weniger von spektakulären Durchbrüchen als von konsequenter Integration geprägt sein wird. Unternehmen investieren verstärkt in stabile Prozesse, sichere Entwicklungsumgebungen und den Ausbau von Kompetenzen.

Für den DACH-Raum zeichnet sich dabei ein klarer Weg ab: KI wird Schritt für Schritt zum festen Bestandteil von Softwareentwicklung und Unternehmensprozessen – mit einem starken Fokus auf Effizienz, Sicherheit und langfristige Partnerschaften. Innovation entsteht dabei weniger durch radikale Experimente, sondern durch kontinuierliche Verbesserung bestehender Systeme.

Quelle / Foto: (c) Foto von Tara Winstead auf Pexels

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