Heute die Bahn, morgen das eigene Unternehmen?

Der jüngste Kommunikationsausfall bei der Deutschen Bahn hat erneut gezeigt, wie abhängig moderne Organisationen von funktionierenden Kommunikationswegen sind. Auch wenn die genauen Ursachen des Vorfalls im Einzelfall zu bewerten sind, macht das Ereignis deutlich:

Nicht nur Stromausfälle können kritische Abläufe zum Erliegen bringen. Bereits der Ausfall von Kommunikationssystemen, der kein Einzelfall ist, kann erhebliche Auswirkungen auf Betrieb, Koordination und Entscheidungsfähigkeit haben.

WiMo-Chef Markus Viertel fordert deshalb, Notfallkommunikation als strategischen Bestandteil der Resilienz neu zu denken. Für ihn lautet die entscheidende Frage: Wie kommunizieren Unternehmen, Behörden und Einsatzkräfte, wenn die zugrunde liegende Kommunikationsinfrastruktur selbst ausfällt?

Nach meiner Einschätzung wird genau diese Frage bislang viel zu selten gestellt. Wir müssen Kommunikation jedoch als Erstes mitdenken – und zwar redundant. Viele gehen selbstverständlich davon aus, dass man im Ernstfall einfach zum Telefon greift. Genau das könnte dann nicht mehr funktionieren.“

Kommunikation entscheidet über Handlungsfähigkeit

Ob Cyberangriff, Sabotage, Naturkatastrophe oder großflächiger Stromausfall – zahlreiche Krisenszenarien haben eines gemeinsam: Mobilfunk, Internet oder andere Kommunikationswege können eingeschränkt sein oder teilweise/vollständig ausfallen.

Portrait of a smiling middle-aged man with gray hair wearing a navy polo shirt with a WIMO logo on a dark background.

Markus Viertel ist Geschäftsführer der WiMo Antennen und Elektronik GmbH / © wimo.com

Die Folgen reichen weit über technische Probleme hinaus

  • Lagebilder können nicht mehr erstellt oder aktualisiert werden.
  • Unternehmen können ihre Einsatzkräfte und Mitarbeiter nicht koordinieren.
  • Behörden, Energieversorger, Wasserwerke und Rettungsorganisationen verlieren wichtige Abstimmungsmöglichkeiten.
  • Entscheidungen müssen unter erheblicher Unsicherheit getroffen werden.

Die eigentliche Herausforderung beginnt deshalb häufig nicht erst mit der Reparatur beschädigter Infrastruktur, sondern bereits dann, wenn Informationen nicht mehr zuverlässig ausgetauscht werden können.

Das Kritis-Dachgesetz erhöht den Handlungsdruck

Mit dem Kritis-Dachgesetz wächst für Betreiber Kritischer Infrastrukturen zudem die Verantwortung, ihre Resilienz systematisch zu stärken. Dabei rückt zunehmend auch die Frage in den Mittelpunkt, wie Kommunikation unter außergewöhnlichen Bedingungen aufrechterhalten werden kann.

Mit dem bundesweiten 450-MHz-Mobilfunknetz entsteht derzeit eine Kommunikationsinfrastruktur, die speziell auf die Anforderungen von Kritis Organisationen ausgelegt ist.

Markus Viertel dazu: „Deutschland investiert damit in einen wichtigen Baustein für eine resiliente Kommunikationsinfrastruktur, was wir ausdrücklich positiv werten. Dennoch sollte klar sein: Eine einzelne Kommunikationslösung reicht nicht aus, wenn Kommunikationsinfrastruktur selbst zum Angriffsziel oder Ausfallrisiko wird.“

Kommunikation ist kein Nebenthema der Krisenvorsorge

Nur unterschiedliche, voneinander unabhängige Kommunikationswege erhöhen die Wahrscheinlichkeit, auch unter extremen Bedingungen handlungsfähig zu bleiben, macht Viertel klar.

Schließlich sei Kommunikation kein Nebenthema der Krisenvorsorge – sie müsse vielmehr als eigenständiger Bestandteil jeder Resilienzstrategie verstanden werden – in Unternehmen ebenso wie bei Behörden und Betreibern Kritischer Infrastrukturen.

Das Kritis-Dachgesetz zeigt, wie dringend wir unsere Resilienz überdenken müssen, weshalb Viertel Pactor als ein Beispiel für mehr Stabilität anführt. „Die entscheidende Frage“, spitzt Viertel zu, „lautet nicht, ob Kommunikationssysteme einmal ausfallen können. Sondern: Sind wir darauf vorbereitet, wenn sie es tun?“

Quelle / Fotos: wimo.com

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