Kleingartenkolonien gehören in Hamburg seit Generationen zum Stadtbild, und auch in den Reihenhausgärten zwischen Volksdorf und Wilhelmsburg wird im Sommer gegossen, gemäht und vertikutiert. Umso ärgerlicher ist es, wenn der Rasen ab August Flecken bekommt: erst gelblich, dann strohbraun, und das ausgerechnet dann, wenn die Terrasse am häufigsten genutzt wird.
Der erste Verdacht fällt meist auf Trockenheit. Das ist naheliegend, aber nicht immer richtig. Ein einfacher Test schafft Klarheit: Wer an einer betroffenen Stelle die Grasnarbe anhebt und sie sich wie ein Teppich abrollen lässt, hat kein Wasserproblem. Dann fehlen schlicht die Wurzeln, und die haben in aller Regel Larven gefressen.
Die üblichen Verdächtigen
Zwei Gruppen kommen in norddeutschen Gärten besonders häufig vor. Engerlinge sind die Larven von Käfern wie Mai-, Juni- oder Gartenlaubkäfer. Sie sind weiß, kräftig gebaut, liegen typischerweise in C-Form im Boden und arbeiten sich von unten an die Graswurzeln heran. Wiesenschnaken-Larven, umgangssprachlich Tipulalarven, sehen dagegen aus wie graubraune, beinlose Würmer ohne erkennbaren Kopf. Sie fressen nachts auch oberirdisch an den Halmen.
Ein zweites Warnsignal sind Vögel. Wenn Krähen, Elstern oder Stare den Rasen systematisch aufhacken, suchen sie meist nicht nach Regenwürmern, sondern nach genau diesen Larven. Auch Wühlspuren von Igeln oder Maulwürfen an denselben Stellen sind ein Hinweis darauf, dass unter der Oberfläche etwas los ist.
Warum Chemie hier oft die schlechtere Wahl ist
Für den Hausgarten sind chemische Mittel gegen Bodenlarven in Deutschland ohnehin stark eingeschränkt. Unabhängig davon spricht in dicht bebauten Stadtlagen einiges dagegen: Kinder und Haustiere nutzen dieselbe Fläche, Nachbargärten liegen wenige Meter entfernt, und viele Kleingartenvereine haben eigene Regeln zum Pflanzenschutz.
Die praktikablere Alternative sind Nematoden, mikroskopisch kleine Fadenwürmer, die natürlicherweise im Boden vorkommen. Sie dringen über Körperöffnungen in die Larve ein, geben ein Bakterium ab und beenden so deren Entwicklung. Für Menschen, Haustiere, Bienen und andere Nützlinge sind sie nach heutigem Kenntnisstand unbedenklich. Wer nematoden bestellen möchte, sollte allerdings genau hinsehen, denn die Art muss zum Schädling passen: Gegen Engerlinge kommt üblicherweise Heterorhabditis bacteriophora zum Einsatz, gegen Wiesenschnaken-Larven eher Steinernema-Arten.

Website Screenshot Nematodenshop
Timing entscheidet über den Erfolg
Der häufigste Fehler ist nicht die falsche Art, sondern der falsche Zeitpunkt. Nematoden sind lebende Organismen und brauchen Bedingungen, unter denen sie überhaupt arbeiten können.
Drei Punkte sind dabei zentral. Erstens die Bodentemperatur: Je nach Art liegt die Untergrenze zwischen etwa fünf und zwölf Grad Celsius. Ein Bodenthermometer kostet wenig und erspart eine wirkungslose Anwendung. Zweitens die Feuchtigkeit. Der Boden sollte vor dem Ausbringen gewässert werden und anschließend mehrere Wochen feucht bleiben. Trocknet die obere Bodenschicht aus, sterben die Nematoden ab. Drittens das Licht: Fadenwürmer reagieren empfindlich auf UV-Strahlung, weshalb der frühe Morgen oder der Abend deutlich bessere Ergebnisse liefert als die Mittagssonne.
Das Ausbringen selbst ist unspektakulär. Das gelieferte Trägermaterial wird in Wasser aufgelöst und mit Gießkanne, Rückenspritze oder Schlauchaufsatz verteilt. Wichtig ist nur, dass ein grobes Sieb verwendet oder ganz weggelassen wird, damit die Nematoden nicht hängenbleiben.
Was danach passiert
Anders als bei einem chemischen Mittel gibt es keinen Sofort-Effekt. Ergebnisse zeigen sich meist nach zwei bis drei Wochen, und in vielen Fällen ist eine zweite Anwendung sinnvoll, um Nachzügler zu erfassen. Der geschädigte Rasen erholt sich nicht von allein: Kahle Stellen sollten nachgesät und leicht angedrückt werden, sobald die Larven nicht mehr aktiv sind.
Wer vorbeugen will, hat es in Hamburg vergleichsweise leicht. Ein dichter, nicht zu kurz geschnittener Rasen mit gut durchwurzelter Grasnarbe ist deutlich weniger anfällig. Schnitthöhen um vier bis fünf Zentimeter, gelegentliches Vertikutieren und eine ausgewogene Düngung im Frühjahr und Frühherbst wirken langfristig besser als jede Notmaßnahme im August.
Der Aufwand hält sich in Grenzen, und der Nebeneffekt ist ein Garten, in dem Kinder und Hunde am selben Nachmittag über die Fläche laufen können, an dem behandelt wurde.
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