Privatinsolvenzen sinken – aber Hamburg über dem Durchschnitt

In den ersten neun Monaten des Jahres 2016 mussten 77.325 Privatpersonen eine Insolvenz anmelden. Dies entspricht einem Rückgang von 4,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. So lauten die zentralen Ergebnisse der Studie „Schuldenbarometer 1. bis 3. Quartal 2016“ der Wirtschaftsauskunftei Bürgel.

„2016 werden die Privatinsolvenzen das sechste Mal in Folge sinken. Für das Gesamtjahr prognostizieren wir bis zu 103.000 Fälle. Das wäre der niedrigste Stand seit 2005, als rund 100.000 Verbraucher eine Insolvenz anmelden mussten“, sagt Bürgel Geschäftsführer Klaus-Jürgen Baum.

Hauptgrund für die erneut sinkenden Privatinsolvenzen ist die weiterhin positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit in Verbindung mit einer Zunahme der Beschäftigung und höheren Reallöhnen sind die Grundlage für weniger Verbraucherinsolvenzen.

Eine weitere Ursache für den historischen Tiefstand bei den Privatinsolvenzen kann neben den konjunkturellen Einflüssen auch durch eine Veränderung der Methode der Betroffenen erklärt werden.

So sehen viele überschuldete Personen, die ein Pfändungsschutzkonto (P-Konto) nutzen, keine Notwendigkeit mehr, einen Insolvenzantrag zu stellen, da beispielsweise ihr monatliches Einkommen so gering ist, dass es nicht über dem pfändbaren Betrag liegt.

Bremen und Hannover führen im Städte-Ranking
Bremer Pleitegeier: Bremen und Hannover führen im Städte-Ranking

Im Durchschnitt mussten in den ersten neun Monaten des Jahres 95 Privatpersonen je 100.000 Einwohner in Deutschland eine Insolvenz anmelden. In neun Bundesländern liegt die Zahl der betroffenen Personen über dem Durchschnitt. Bremen ist mit 165 Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohner erneut Spitzenreiter.

Neben dem Saarland (132) folgen mit Niedersachsen (132), Hamburg (130) und Schleswig-Holstein (122) ausschließlich Bundesländer aus dem Norden Deutschlands. Deutlich geringer ist die Zahl der Privatinsolvenzen von Januar bis September in Bayern mit einer Insolvenzquote von 67 Pleiten je 100.000 Einwohner.

Die aktuelle Analyse zeigt auch, dass Privatinsolvenzen eher ein Thema in deutschen Großstädten sind. So liegt die Insolvenzquote in lediglich fünf der 20 einwohnerstärksten Städte unter dem Durchschnitt. Die wenigsten Verbraucherinsolvenzen, bezogen auf das Stadt-Ranking, wurden demnach in Stuttgart (67 Insolvenzen je 100.000 Einwohner) angemeldet.

Führend in der Auswertung sind Hannover und Bremen mit 156 Insolvenzen je 100.000 Einwohner. Auch in Wuppertal (134), Hamburg (130), Essen und Dortmund (je 124) und Leipzig (123) liegt die Insolvenzquote deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt.

In drei Bundesländern zeigt sich der Trend sinkender Privatinsolvenzzahlen nicht. In Sachsen-Anhalt (plus 1,5 Prozent), Bremen (plus 1,3 Prozent) und Thüringen (plus 1,2 Prozent) steigen die Fallzahlen im Vergleich zu den ersten drei Quartalen 2015 leicht an. Den deutlichsten Rückgang der Verbraucherinsolvenzen meldete Brandenburg (minus 12,9 Prozent).

Der Trend der Privatinsolvenzen im Alter setzt sich auch im Jahr 2016 fort. Die Zahlen in der Altersgruppe 61 Jahre und älter stiegen von Januar bis September um 1,3 Prozent. Zunehmend von einer Privatinsolvenz im Alter betroffen sind ehemalige Selbstständige nach einer Insolvenz ihres Unternehmens oder Bundesbürger mit einer längeren Phase im Niedriglohnsektor oder in der Arbeitslosigkeit.

Die zwei Hauptauslöser für eine Privatinsolvenz sind weiterhin Arbeitslosigkeit bzw. reduzierte Arbeit sowie Einkommensarmut. Der überwiegende Teil der Privatpersonen in einer Insolvenz hat vor allem Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten, Versandhändlern, Versicherungen, öffentlichen Gläubigern, Vermietern, Energieversorgern und Telefongesellschaften.

Foto / Quelle: buergel.de

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