Warum Vollkasko tödlich für den Wohlstand ist

„Seefahrt tut not, Leben nicht“, war der Leitspruch der Hanse. Unter dieser Devise schickte der legendäre Kaufmannsverbund fünf Jahrhunderte lang Schiffe auf die Reise. Mit dem erheblichen Risiko, dass die bauchigen Koggen untergingen, die Seeleute umkamen und die wertvolle Fracht verloren ging. Trotzdem nahm man diese Lebensgefahren bewusst und lohnend in Kauf.

Hunderte von Städten im Nord- und Ostseeraum blühten durch den Wagemut und das kaufmännisches Geschick der Hanse auf. Ihre Bürger wurden frei und wohlhabend. Der Unterschied zur Gegenwart könnte nicht größer sein, analysiert Dr. Wolfgang Klages in seiner aktuellen Expertise.

Obwohl sich die Lebenserwartung der Deutschen in den letzten 150 Jahren von unter 40 auf über 80 Jahre verdoppelt hat, Todesrisiken stark gesunken sind, beherrschen Lebensängste die Gesellschaft. Soweit, dass dem Schutz der körperlichen Unversehrtheit vor einer Epidemie derzeit alles untergeordnet wird, was bislang den gesellschaftliche Frieden und die demokratische Qualität der Bundesrepublik ausmachte:

Ein Leben in Freiheit, Gemeinschaft und Wohlstand. Ein solcher Umschlag kommt freilich nicht von ungefähr. Die Freiheit ist schon länger im Rückgang und das Sicherheitsbedürfnis vor vermeintlichen Katastrophen auf dem Vormarsch. Trotz des Reaktorunfalls von Tschernobyl gingen bis Ende der 1980er Jahre noch weitere Atomkraftwerke in Deutschland ans Netz.

Ein Tsunami im fernen Japan genügte 25 Jahre später der deutschen Regierung, alle AKWs umgehend abzuschalten. Aus Furcht vor dem Atomtod. Mehrere strenge Winter in Deutschland von 1978 bis 1987 veranlassten damals niemanden, vor einer neuen Eiszeit zu warnen. Zwei trockene Sommer reichten 2018/19 hingegen  aus, bei den Deutschen die Sorge vor einem Verbrennen der Erde zu schüren.

Segelschiff im Sturm
Das Leben endet (immer) mit dem Tod / © respolitica.de

Aus dem Ruder gelaufen

Schließlich hat das Corona-Virus die Angst in Politik und Gesellschaft vor dem Tod auf einen vorläufigen Höhepunkt geführt. Mit schwerwiegenden Konsequenzen, die der Freiheit auf unabsehbare Zeit extrem zusetzen. Eigentlich unumstößliche Grundrechte sind auf unabsehbare Zeit ausgesetzt und beschnitten. Der Staat regiert per Verordnung. Der Wirtschaft droht in Teilen der Ruin.

Das Meinungsklima ist vergiftet. Der gesellschaftliche Konsens durch Extrempositionen zerrüttet. Ein hoher Preis für die Bekämpfung einer Infektion, an der eine kleine vulnerable Gruppe schwer und tödlich erkranken kann. Zumal alle politischen Bemühungen nicht den Erfolg erwarten lassen, die Ansteckungsgefahr durch ein Virus und seine Mutationen für die Bevölkerung je auf null bringen zu können.

Dafür müsste das Leben im Miteinander schlechthin verneint werden. Noch mehr kritische Aufmerksamkeit als die Verhältnismäßigkeit der Mittel in der Corona-Krise verdient daher die Frage, ob dieser Präzedenzfall nicht den Einstieg in einen länger währenden Ausstieg aus der bisherigen freiheitlich-demokratischen Grundordnung bedeutet:

Mit einem Staat, der unter Berufung auf kollektive Schutzziele tiefe, nahezu unbeschränkte Eingriffe in Wirtschaft und Gesellschaft vornimmt. Mit plebiszitärer Zustimmung einer verängstigten Bevölkerung. Im Zeichen eines solchen Zeitgeistes steht zu befürchten, dass die Deutschen in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts wesentliche Freiheiten verlieren, die sie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nach leidvollen Erfahrungen gewonnen hatten.

Wer ist Dr. Wolfgang Klages?

res politica® ist eine unabhängige Einrichtung der wissenschaftlichen Politikberatung mit Sitz in Osnabrück. Mit seiner Gründung im Jahr 1999 zählt der privatwirtschaftliche think-tank zu den Pionieren professioneller Politikberatung in Deutschland. Seitdem hat sich res politica® mit seiner politischen Expertise zu einem gefragten Ratgeber für Regierungen, Unternehmen und Verbände entwickelt.

Das Leistungsspektrum reicht von Gutachten, Strategiepapieren, Fallstudien und Politikfeldanalysen bis zu Öffentlichkeitsarbeit und Entscheidungsvorbereitung. Der Inhaber, Dr. rer. pol. Wolfgang Klages, ist Autor zahlreicher politikwissenschaftlicher Bücher, die in Fachkreisen und Medien regelmäßig zitiert werden.

Fotos / Quelle: respolitica.de

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