Betrug ist längst kein Randphänomen mehr – er ist ein System. Der Kriminalist und Betrugsexperte Oliver Pethbeobachtet eine auffällige Entwicklung: Klassische Betrugsfelder wie Lohnfortzahlungsbetrug und Versicherungsbetrug nehmen zu.
Gleichzeitig entstehen digitale Betrugsformen wie SEO-Fraud, Fake-Traffic, Manipulation von Kampagnen, Affiliate-Betrug und Fake-Leads, die Marketingbudgets „verbrennen“ und interne Entscheidungen verfälschen. Peth fordert: Unternehmen müssen Ermittlungs- und Präventionsstrukturen verbinden – kriminalistisch, digital und rechtssicher.
Wenn Betrug normal wirkt: Warum 2026 ein Wendepunkt ist
„Was früher als Einzelfall galt, ist heute oft ein wiederholbares Geschäftsmodell“, sagt Oliver Peth, Kriminalist und Spezialist für Wirtschaftskriminalität. „Wir sehen Täter, die hybrid arbeiten: Sie kombinieren klassische Täuschung mit digitaler Skalierung. Das ist neu in der Dynamik – und gefährlich in der Wirkung.“
Neu ist nicht nur die Methode, sondern die Geschwindigkeit: Betrug wird schneller, günstiger, arbeitsteiliger – und dadurch häufiger. Besonders kritisch: Viele Delikte bleiben lange unentdeckt, weil sie im Alltag „plausibel“ wirken: Krankmeldung, Schadensmeldung, Klickzahlen, Leads, Rankings.
Klassiker, die bleiben: Lohnfortzahlungsbetrug & Versicherungsbetrug
Lohnfortzahlungsbetrug (z. B. vorgetäuschte Arbeitsunfähigkeit, Nebentätigkeiten während Krankschreibung, auffällige Muster rund um Wochenenden/Urlaub) ist nach Beobachtung von Peth für Unternehmen nach wie vor ein Top-Schadenfeld: „Die meisten Fälle sind keine Hollywood-Geschichten. Es sind Routinen – und genau deshalb übersieht man sie.“
Auch im Versicherungsbetrug zeigen sich bekannte Muster – teils mit neuen Varianten: „Schadenbilder wirken professioneller, Narrative sind einstudiert, digitale Spuren sind bereinigt. Gleichzeitig gibt es mehr Kooperationen zwischen Beteiligten.“
- Was alt ist: Täuschung, Motiv, wirtschaftlicher Vorteil.
- Was neu ist: Professionalisierung, digitale Unterstützung, internationale Bezüge, schnellere Wiederholung.

Täter professionalisieren digitale Angriffe oft unbemerkt / © detektei-detegetre.com (KI)
Die neue Angriffsfläche: SEO-Fraud, Fake-Leads & Marketing-Manipulation
Besonders stark nimmt laut Peth ein Feld zu, das viele noch unterschätzen: SEO-Fraud und Performance-Fraud. Gemeint sind u. a.:
- Fake-Traffic & Bot-Netzwerke, die KPIs aufblasen
- Fake-Leads, die Vertrieb und CRM verstopfen
- Manipulation von Kampagnen, z. B. durch Click-Fraud oder Affiliate-Missbrauch
- Negative SEO / Sabotage, die Rankings und Reputation schädigt
- Täuschung durch „saubere“ Reports, während Budgets versickern
„Viele Unternehmen merken erst spät, dass sie nicht schlechter performen – sondern gezielt manipuliert werden“, so Peth. „Das ist Wirtschaftskriminalität im Marketing-Gewand.“
Wie man entgegenwirkt: Drei Ebenen, die zusammengehören
Oliver Peth empfiehlt einen dreistufigen Ansatz, der Prävention und Beweissicherung verbindet:
1) Frühwarnsysteme statt Bauchgefühl
- Klare Indikatoren & Schwellenwerte (z. B. Lead-Qualität, Traffic-Anomalien, Krankheitsmuster)
- Regelmäßige Plausibilitätschecks (fachlich & datenbasiert)
- Interne Meldewege für Verdachtsmomente
2) Beweise rechtssicher sichern
- Dokumentation, die arbeitsrechtlich und prozessfest verwertbar ist
- Saubere Kette der Nachweise (Zeit, Ort, Quelle, Integrität)
- Vermeidung typischer Fehler (z. B. „selbst ermitteln“ ohne Standards)
3) Kriminalistik + OSINT + digitale Forensik kombinieren
- OSINT-Analysen, Verknüpfungen, Muster, Identitäten
- Digitale Spurenauswertung bei Kampagnen/Traffic/Lead-Quellen
- Strukturierte Täterhypothesen statt Aktionismus
„Wer Betrug bekämpfen will, muss ihn wie ein Täter denken – aber wie ein Profi dokumentieren“, sagt Peth. „Das Ziel ist nicht Verdacht. Das Ziel ist Beweis.“
„Betrug ist nicht mehr nur ‚klassisch‘ oder ‚digital‘ – er ist beides gleichzeitig. Unternehmen brauchen deshalb keine Einzellösungen, sondern ein System aus Prävention, Analyse und gerichtsfester Beweissicherung.“ – Oliver Peth, Kriminalist & Betrugsexperte
Quelle / Fotos: detektei-detegetre.com







