Spielhallenüberfälle in Hamburg und Umgebung werden zum Problem

Und wieder hat ein Täter zugeschlagen. Am Morgen des 15. Oktober hat ein junger Mann in der Metropolregion zu Hamburg, in Pinneberg, eine Spielhalle überfallen. Bislang tappt die Polizei noch im Dunkeln. Da der Mann dunkel gekleidet war, eine Maske trug und ansonsten keinerlei Informationen über den Mann bekannt sind, dürften sich die Chancen einer baldigen Aufklärung eher im minimalen Bereich bewegen. Besonders brisant: Der Täter bedrohte die Angestellten des Casinos mit einer Schusswaffe. Gewalt und die Tendenz zunehmender Skrupellosigkeit bei Überfällen in der norddeutschen Hansestadt sind besorgniserregend, denn der Pinneberger Raubzug ist kein Einzelfall.

Ein Anblick wir lieber nur im TV imTatort und nicht im wirklichen Leben sehen wollen
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Spielhallen in ganz Deutschland gefährdet
Was seit kurzer Zeit besonders augenscheinlich ist, das ist die Affinität von Verbrechern für Spielhallen und Casinos. Mats Wimmer von www.spielhallen.com merkt an: „Spielhallen und Casinos bieten für Kriminelle einen besonderen Reiz, denn in der Regel sind die Gebäude lediglich durch Sicherheitskameras geschützt, Sicherheitspersonal ist zumindest bei kleineren Spielhallen nur in den seltensten Fällen anwesend. Meistens schlagen die Verbrecher bei Nacht zu, wenn die Spielhallen leerer und die Kassen gefüllt sind. Aber auch Online Portale bleiben nicht verschont. Immer wieder kommt es zu sogenannten Hacker Angriffen.“

Spielhallen sind sehr beliebte Ziele von Überfällen
Spielhallen sind sehr beliebte Ziele von Überfällen

 

Genau dies belegen die Verbrechensstatistiken der letzten Tage eindeutig. Die Polizei und vor allem auch Betreiber sind im Sinne der Kunden und Mitarbeiter dazu angehalten, entsprechende Sicherheitsmaßnahmen zu installieren, damit nicht nur die Gelder, sondern auch die Personen geschützt bleiben.

Spielhallenüberfälle der letzten Monate

Datum Spielhalle Information
16.10.2015 Spielhalle in der Sonnenallee / Berlin-Neukölln Vier Männer griffen mit Ziegelsteinen bewaffnet Spielautomaten und einen Angestellten der Spielhalle um kurz vor 4.00 Uhr morgens an. Die Höhe der Beute ist unbekannt, verletzt wurde niemand.
16.10.2015 Spielhalle an der Straße Roderbruchmarkt / Hannover Um circa 00.40 Uhr zogen zwei maskierte Männer in der Spielhalle ein Messer und bedrohten die 51-jährige Angestellte. Die Täter erbeuteten lediglich ein leeres Etui, die Mitarbeiterin blieb unverletzt.
15.10.2015 Spielhalle in der Elmshorner Straße / Pinneberg Zwei Täter überfielen mit Messern bewaffnet eine Spielhalle um circa 5.00 Uhr morgens und erbeuteten Gelder in unbekannter Höhe. Die Spielhallenaufsicht wurde dabei leicht verletzt.
15.10.2015 Spielhalle in Eberstadt / Darmstadt Ein 20-jähriger überfiel gegen 00.20 Uhr eine Spielhalle in Darmstadt mit gezogener Schusswaffe. Nachdem er kein Geld erhielt, überfiel er einen nahegelegenen Imbiss und verletzte den Verkäufer durch einen Schlag mit der Waffe am Kopf.

Mittlerweile sind Spielhallenüberfälle nicht ausschließlich kriminelle Handlungen von Einzeltätern, ganze Banden stehen teils hinter den organisierten Raubzügen. Das Landgericht Münster hat erst kürzlich drei Männer zu knapp fünf Jahren Haft verurteilt. Die Männer haben in ganz Deutschland Spielhallen überfallen. Bei den Tätern zu Hause wurden detaillierte Informationen zu den überfallenen Spielhallen, Adressen sowie Angaben von sich in der Nähe befindlichen Polizeistationen gefunden. Die Täter wurden schlussendlich mit Peilsendern überführt.

Kriminalitätsrate in Hamburg steigt

Hamburg hat allerdings nicht nur mit Überfällen in Spielhallen zu kämpfen. Bislang gab die Hansestadt in der Polizeistatistik zwar kein sonderlich gutes Bild ab, im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten konnten sich die Hamburger Einwohner aber noch immer sicher fühlen. 2013 war die Hansestadt, gemessen an den Straftaten je 100.000 Einwohner, auf dem siebten Platz der gefährlichsten Städte in Deutschland platziert. Weit davor lagen Großstädte wie Köln, Berlin, Düsseldorf und Dortmund. Ganz oben auf der Kriminalitätsleiter fand sich Frankfurt am Main wieder.

Kriminalitätsverteilung nach Bundesländern

Bundesland Einwohner erfasste Fälle Aufklärungsquote Häufigkeitsanteil je 100.000 Einwohner
Berlin 3.421.829 543.157 44,9 % 15.873
Hamburg 1.746.342 239.998 43,9 % 13.743
Bremen 657.391 83.777 45,8 % 12.744
Sachsen-Anhalt 2.244.577 194.486 57,1 % 8.665
Nordrhein-Westfalen 17.571.856 1.501.125 49,8 % 8.543

Quelle: PKS Bundeskriminalamt, 2014, www.bka.de

Auch 2014 hat sich daran nicht viel geändert. Die unrühmliche Liste wird weiterhin von Frankfurt am Main angeführt. In Hamburg zeigt sich dasselbe Bild. 2014 wurden 13.743 Delikte auf 100.000 Einwohner durch die Polizeidienststellen erfasst, ein leichter Anstieg zum Jahr davor.

Hamburg Mitte mit negativer Tendenz

Dass besonders die Hamburger Stadtteile St. Pauli und St. Georg als Krisenherde der Stadt gelten, ist hinlänglich bekannt. Vor allem in der Region um den Kiez kommt es vermehrt zu kriminellen Handlungen, allerdings weniger in Spielcasinos, da die Betreiber diese in diesen Gegenden besser schützen. Überraschen dürfte diese Erkenntnis natürlich niemanden, immerhin tummeln sich jedes Wochenende circa 15.000 Menschen an der Hamburger Reeperbahn.

 

Nächtlicher Blick auf die Hamburger Reeperbahn- die wohl weltweit bekannteste Amüsiermeile
Nächtlicher Blick auf die Hamburger Reeperbahn- die wohl weltweit bekannteste Amüsiermeile

 

Allerdings gibt es auch gute Nachrichten zu vermelden, denn in anderen Stadtteilen, die nicht unbedingt zu den Hamburger Vorzeigeorten zählten, ging die Kriminalitätsrate zurück. Betroffen sind hiervon vor allem Billstedt und Wilhelmsburg. Nachdem die Stadtteile 2013 saniert wurden, auch aufgrund der Veranstaltungen rund um die Internationale Bauausstellung, haben die Stadtteile an Attraktivität und Sicherheit gewonnen.

Überraschenderweise stieg die Kriminalitätsrate in den eher luxuriöseren Gegenden der Hansestadt an. Zwar zählen die Gegenden Blankenese und Groß Flottbek noch immer zu den sichersten Destinationen in Hamburg, gemessen an der Gesamtzahl aller kriminellen Vorfälle. Nichtsdestotrotz waren 2014 im Schnitt 24 Prozent mehr Delikte zu verzeichnen als noch ein Jahr zuvor.

Den Schwerpunkt aller Verbrechen bilden übrigens die Einbrüche. Insgesamt 7.490 Mal wurde 2014 in Hamburg ein Einbruch gemeldet. Das ist gegenüber 2013 ein Anstieg von mehr als acht Prozent. Das besonders Tragische hieran: Lediglich 8,2 Prozent aller Einbrüche konnten durch die Polizei aufgeklärt werden, dies entspricht insgesamt 634 Einbruchsdelikten.

Was allerdings nicht unerwähnt bleiben darf, ist die Anzahl der lediglich versuchten Einbrüche. In knapp 43 Prozent der Fälle konnten sich die Täter keinen Zutritt zum Gebäude verschaffen. Dies geht auch auf die wachsende Aufmerksamkeit der Hamburger Einwohner und Eigentümer zurück, die ihre Gebäude vermehrt durch einbruchssichere Fenster und Türen sicherten, wie sie beispielsweise in Spielhallen gang und gäbe sind.

Hamburger Polizei zieht positives Fazit über Herbstoffensive

Polizeipräsident Ralf Martin Meyer hatte anlässlich der vor kurzem veröffentlichten Polizeilichen Kriminalstatistik allerlei Grund zur Freude. Zwar wurden insgesamt fast genauso viele Delikte zur Anzeige bei der Polizei gebracht wie ein Jahr zuvor, allerdings konnten insgesamt 1.300 Fälle mehr aufgeklärt werden. Insgesamt wurden 43,9 Prozent aller Delikte gelöst.

Und wenn es brenzlig wird, dürfen Sie für uns die Kastanien aus dem Feuer holen
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Inwieweit die Daten aus der Polizeilichen Kriminalstatistik allerdings aussagekräftig sind, ist fraglich, denn die Dunkelziffer der Taten, die gar nicht erst zur Anzeige gebracht werden, bleibt unbekannt. Wie hoch diese ungefähr ausfällt, darüber kann keine konkrete Aussage getätigt werden, ist diese Aussage doch von unterschiedlichen Faktoren abhängig, wie beispielsweise:

– die Art des Verbrechens

– das Anzeigeverhalten des Hamburger Bürgers

– die Intensität der Hamburger Verbrechensbekämpfung

Bereits im Zuge der „Herbstoffensive“ tat die Hamburger Polizei Ende 2014 jedoch ihr Mögliches, um die Verbrechensrate in der Hansestadt zu senken. Dabei stellte die Polizei für verschiedene Hamburger Bezirke Namenslisten von Personen auf, die als tatverdächtig galten und observiert wurden. Insgesamt waren über 8.000 Polizeimitarbeiter an dieser Aktion beteiligt. Schlussendlich konnten 316 Personen überführt werden.

Auch mit Flyern agierte die Polizeibehörde. In gefährdeten Stadtteilen wurden die Bewohner mittels Briefpost über mögliche Einbruchsgefahren aufgeklärt. Zeitgleich erfolgten der Hinweis und die Bitte, mit welchen Mitteln sich Anwohner besser vor etwaigen Gefahren schützen könnten. Auch im Internet sind diese Informationen unter www.k-einbruch.de zugänglich.

Foto / Quelle:
1. ) Fotolia: #87907216 | Urheber: BillionPhotos.com – Thief, Stealing, Burglar.
2.) Fotolia: #67370189 | Urheber: Fotimmz – Spielautomat im Casino
3.) Fotolia: #68116365 | Urheber: Annette Hanl – Hamburg bei Nacht von oben
4.) Fotolia: #72920225 | Urheber: chalabala – Police siren

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