Prävention vor Therapie: Männer sind wahre Vorsorge-Muffel

Frauenheilkunde und Kinderheilkunde sind schon längst eigene Fachbereiche in der Medizin – inzwischen gibt es auch eine erste Professur für Männergesundheit an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf. Doch was ist das Besondere am männlichen Gesundheitsverhalten?

Check-ups & Prävention für das starke Geschlecht
Noch immer leben Männer in Deutschland im Durchschnitt 5 Jahre kürzer als Frauen. Die geringere Lebenserwartung ist jedoch nicht genetisch bedingt: Frauen kümmern sich mehr um ihre Gesundheit, achten mehr auf Signale ihres Körpers, haben meist einen gesünderen Lebensstil und nehmen Vorsorge-Angebote viel häufiger an.

Studien aus dem Jahr 2017 zufolge kennen zwar 80% der Herren den Check-up 35 und sogar 90 % die Krebsvorsorge-Angebote der Krankenkassen – tatsächlich genutzt werden diese präventiven Check-ups jedoch nur von jedem Vierten.

Check-ups für Männer – die schnelle Übersicht
Herz/Kreislauf: Ab 35 hat jeder gesetzlich Versicherte alle zwei Jahre einen Anspruch auf den „Check-up 35“ beim Hausarzt. Dabei werden Blut und Urin auf auffällige Werte in Bezug auf Cholesterin, Diabetes, Herz-Kreislauf- und sogar Nieren-Erkrankungen geprüft.

Haut: Die Kosten für die Hautkrebsvorsorge übernimmt ab 35 Jahren ebenfalls die Krankenkasse (alle 2 Jahre).
Prostata: Die Tast-Untersuchung zur Früherkennung von Prostata-Erkrankungen wird ab dem 45. Geburtstag einmal jährlich von der Krankenkasse bezahlt.

Darmkrebs: Ab einem Alter von 50 Jahren werden die Kosten für die rektale Tastuntersuchung und den Test auf verborgenes Blut im Stuhl jährlich übernommen, ab 55 auch eine Darmspiegelung alle 10 Jahre oder alternativ ein alle zwei Jahre durchgeführter Stuhltest.

Aneurysma: Seit Januar 2018 profitieren gesetzlich versicherte Männer über 65 von einer neuen Früherkennung per Ultraschall zur Abklärung von eventuellen Erweiterungen der Bauchschlagader – etwa vier bis acht Prozent der Männer entwickeln ein solches, lebensgefährliches Aneurysma.

Männergesundheit
Männergesundheit

Präventivmedizin versus Reparaturmedizin
Während Frauen sich schon traditionell mehr um ihre eigene Gesundheit kümmern und sich vorsorglich anders ernähren und bewegen, gehen Männer oft erst zum Arzt, wenn schon eine Erkrankung ausgebrochen ist. Doch selbst schlechte Laborwerte können aktiv verbessert werden: Durch Ausdauertraining, welches den Blutdruck senkt, weniger Alkohol und mehr Gemüse können Gewicht und Stoffwechsel positiv beeinflusst werden.

Genuss vor Gesundheit
Die britische Krebsforschungsgesellschaft veröffentlichte 2013 eine groß angelegte Studie, wonach die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu sterben, für Männer um 35 Prozent höher liege – Grund dafür sei ein höherer Alkohol- und Nikotinkonsum sowie eine häufigere Fettleibigkeit.

Ein Grund für männliche Adipositas liegt laut einer Studie der Techniker Krankenkasse aus dem Jahr 2017 im Essverhalten der meisten Männer: Genuss kommt vor Gesundheit, Fett ist wichtiger als Gemüse.

Die deutsche Gesellschaft für Ernährung berichtet aktuell, dass schon mehr als die Hälfte der 30jährigen Männer zu viel auf den Rippen habe. Das Übergewicht steigert das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und inzwischen weiß man auch, dass bestimmte Krebsarten durch eine ungesunde Ernährung begünstigt werden können. Neben der Koronaren Herzkrankheit (KHK) und akuten Herzinfarkten gehören Krebserkrankungen von Lunge, Prostata und Darm zu den häufigsten Todesursachen bei Männern.

Die Psyche und das starke Geschlecht
Aufgrund des traditionellen Rollenbildes suchen sich Männer in Krisensituationen seltener Unterstützung. Statistisch gesehen greifen sie eher zu Trostspendern wie Alkohol, Medikamenten oder Zigaretten. Doch Experten schätzen, dass zwischen sechs und neun Prozent der Männer an Depressionen leiden, worauf auch die dreifach höhere Selbstmordrate hinweist.

Die Stiftung Männergesundheit geht davon aus, dass Depressionen bei 60 bis 90 Prozent der erkrankten Männer gar nicht erkannt, geschweige denn behandelt werden.

Auch bei Burnout ist professionelle Hilfe nötig: Die Betroffenen müssen lernen, Grenzen zu setzen oder ihre eigenen Verhaltensmuster zu durchschauen. 20 bis 30 Prozent aller Erwerbstätigen sind gefährdet – Symptome sind Erschöpfung, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Antriebsschwäche, Depressionen und Gereiztheit, Bluthochdruck oder Kopfschmerzen.

Im Anfangsstadium reicht es evtl. schon, Entspannungstechniken zu erlernen und sich eine längere Erholungspause vom Job zu gönnen. Doch dafür muss „Mann“ sich erst einmal eingestehen, dass er Unterstützung braucht.

Foto / Quelle: Fotoquelle: ABC, medicalpress.de

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