Herzspezialistentagung in Hamburg

Bei einem ganztägigen Symposium am Sonnabend im Hamburger Curio-Haus folgen über 250 namhafte Referenten und zahlreiche Ärztinnen und Ärzte aus Hamburg und Umgebung der Einladung des Cardiologicum Hamburg, um neue Diagnostik- und Behandlungsmethoden zu diskutieren.

Es gebe aktuell sehr viele neue Erkenntnisse und Techniken, sagt Prof. Dr. Martin W. Bergmann, interventioneller Kardiologe am Cardiologicum Hamburg und Wissenschaftlicher Leiter des dritten Hamburger Herzkreislauftags: „Mit dieser Veranstaltung wollen wir unseren Beitrag dafür leisten, dass die Fortschritte möglichst schnell bei den Patienten ankommen und ihre Lebensqualität verbessern.“

Das Programm des hochkarätigen Symposiums am 15. Juli umfasst das gesamte Spektrum der Herzkreislaufmedizin – von Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße über Gefäßmedizin, Schlaganfallvorsorge, Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen und Erkrankungen der Herzklappen bis hin zu neuen Behandlungsverfahren der Herzschwäche.

3D-Darstellung während eines Kathetereingriffs mit OCT-Unterstützung
3D-Darstellung während eines Kathetereingriffs mit OCT-Unterstützung

„Die Herz- und Gefäßmedizin entwickelt sich rasant und kann immer mehr Menschen durch gute Vorsorge, Diagnostik und Therapie immer besser helfen. Allzu oft dauert es jedoch lange, bis neue Erkenntnisse und Verfahren tatsächlich beim Patienten ankommen“, berichtet Prof. Bergmann: „Wir sehen uns als überörtliche, kardiologische Gemeinschaftspraxis in enger Kooperation mit verschiedenen Asklepios Kliniken und dem universitären Herzzentrum des UKE an der Schnittstelle zwischen Patient, Hausarzt und spezialisierter Versorgung. Wir freuen uns daher sehr über das große Interesse der Hamburger Kolleginnen und Kollegen an unserem Symposium, das wir in diesem Jahr zum dritten Mal durchführen.“

Einige Highlights des 3. Hamburger Herzkreislauftages

Herzinfarkt
– Ein neues bildgebendes Katheter-Verfahren (optische Kohärenztomografie, OCT) in Ergänzung zur Röntgendurchleuchtung stellt während der Herzkatheter-Untersuchung Verengungen der Herzkranzgefäße räumlich dar und ermöglicht so eine optimale Anpassung der Gefäßstützen (Stents). So lassen sich die Ergebnisse von Eingriffen im Bereich des Hauptstamms und andere komplexe Stent-Behandlungen weiter verbessern.

– Eine neue Antikörpertherapie zur Senkung erhöhter LDL-Cholesterinwerte kann das Herzinfarktrisiko effektiv verringern. Sie richtet sich gegen das körpereigene Eiweiß PCSK9 und kann zusätzlich eingesetzt werden, wenn die bisher verfügbaren Medikamente nicht ausreichen oder nicht vertragen werden.

– Patienten mit Diabetes mellitus haben ein deutlich erhöhtes Risiko, an einer Herzschwäche oder einem Herzinfarkt zu erkranken. Dieses Risiko lässt sich durch ein neues Diabetesmedikament mit einem ganz neuen Wirkprinzip erstmals nachhaltig senken. Für und Wider der sogenannten SGLT2-Hemmer werden auf dem Symposium intensiv diskutiert.

Schlaganfallvorsorge
– Neue Medikamente zur Blutverdünnung haben sich durchgesetzt, deren Kontrolle im Vergleich zur bisher üblichen Therapie wesentlich einfacher ist. Neue Daten geben detaillierte Einblicke.

– Bei Patienten mit Nebenwirkungen der medikamentösen Schlaganfallvorsorge wie z.B. Blutungen lässt sich das Schlaganfallrisiko durch Implantation eines Schirms in das sogenannte Vorhofohr per Katheter senken. Prof. Bergmann, der dieses Verfahren seit 2010 einsetzt, wird hierzu neue Langzeitdaten aus einer von Ihm koordinierten europäischen Studie mit 1000 Patienten vorstellen.

Herzschwäche
– Ein neues Medikament kombiniert eine bereits etablierte Therapie mit einem neuartigen Wirkstoff gegen das körpereigene Enzym Neprilysin. Diese Therapie hilft Patienten mit Herzschwäche, Krankenhausaufenthalte zu vermeiden und weniger unter Luftnot und Wassereinlagerungen zu leiden. Das Medikament wird bereits vielfach eingesetzt, auf dem Symposium werden die Erfahrungen und neue Daten ausgetauscht.

– Spezielle Herzschrittmacher können ein schwaches Herz stärken. Über die Erfahrungen mit den verschiedenen Systemen (CRT, CCM) werden Experten auf dem 3. HHKT diskutieren.

– Im Rahmen eines europäischen Forschungsprojekts mit Kollegen aus Dänemark, den Niederlanden und Österreich hat Prof. Bergmann im Juni 2017 eine neue Studie gestartet. Patienten, die nach einem oder mehreren Herzinfarkten unter einem geschwächten Herzmuskel leiden, erhalten zur Anregung der körpereigenen Regeneration Stammzellen in den Herzmuskel injiziert.

– Vor allem bei Menschen mit einem langjährigen Bluthochdruck tritt eine spezielle Form der Herzschwäche auf, die „diastolische Herzinsuffizienz“. Sie führt zu einem Blutstau in der Lunge und Luftnot unter Belastung. Ein neuartiges Katheterverfahren könnte die Beschwerden der Betroffenen künftig lindern, indem es eine künstliche Verbindung zwischen den beiden Herzvorhöfen schafft – erste Studienergebnisse liegen vor, weitere Studien sind soeben angelaufen.

Undichte oder verengte Herzklappen
– Herzklappen können häufig sowohl durch eine Operation als auch durch Katheter ersetzt oder repariert werden. Wie erfolgreich die neuen Behandlungsverfahren tatsächlich sind und welche aktuellen Weiterentwicklungen es gibt, diskutieren Experten auf dem Symposium im Curio-Haus.

Die Studie wird in enger Zusammenarbeit mit den Kardiologen der Asklepios Klinik St. Georg durchgeführt.

Das vollständige Programm und weitere Informationen zum Hamburger Herzkreislauftag: www.hhkt-interaktiv.de

Foto / Quelle: hhkt-interaktiv.de, Cardiologicum Hamburg

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